Die zunehmende dezentrale Einspeisung erneuerbarer Energien und die zu erwartende flächendeckende Verbreitung der Elektromobilität stellen künftige Energieverteilnetze vor große Herausforderungen.
Durch die Nutzung intelligenter Energienetze und -zähler sollen eine effizientere Energieversorgung sowie transparentere Abrechnungsmodelle für die Verbraucher geschaffen werden. Im Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten solcher intelligenter Netze spielen Informations- und Kommunikationstechnologien eine wichtige Rolle. Intelligente Zähler sind über öffentliche Netze an die Kommunikationsnetze der Energieversorger angeschlossen und ermöglichen so einen elektronischen Datenaustausch. Zudem bieten sie dem Nutzer eine transparente Verbrauchsanzeige, auf deren Basis er seinen Energieverbrauch steuern und beeinflussen kann. Daher müssen Smart Meter hohen sicherheitsrelevanten Ansprüchen genügen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat im September 2010 das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beauftragt, ein Schutzprofil für intelligente Messsysteme (sog. „Smart Meter“) zu entwickeln, denn Smart-Meter als wesentlicher Bestandteil Intelligenter Netze („Smart Grids“) sind hohen Anforderungen an Datenschutz und -sicherheit zu unterwerfen.
Mittlerweile haben insgesamt drei Verbändeanhörungen (Januar, März und Mai 2011) beim BMWi in Berlin zur Entwicklung und Bewertung eines Schutzprofils für Smart Meter stattgefunden. Im Rahmen der Veranstaltung stellte das BSI den anwesenden Vertretern verschiedener Verbände aus den Bereichen Telekommunikation, Energie, Technik, Wohnungswirtschaft und Verbraucherschutz den Entwurf des Schutzprofils für die Kommunikationseinheit (Gateway) des Messsystems vor und hörte die Verbände dazu an.
Die Projektkoordination wird durch die Bundesnetzagentur in enger Abstimmung mit dem BSI, der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) wahrgenommen. Derzeit ist geplant, das Schutzprofil noch im Jahr 2011 fertigzustellen und zu zertifizieren.
Das Schutzprofil wurde auf Grundlage der ISO/IEC 15408 (Common Criteria - CC) durch das BSI definiert, welches bereits in verfügbaren Smart-Cards (z.B. ePass, Gesundheitskarte) implementiert wurde. Kern des Schutzprofils des BSI ist eine Bedrohungsanalyse sowie eine Beschreibung von Anforderungen zur Abwehr dieser Bedrohungen. Das Schutzprofil beschreibt die Eigenschaften eines Gateways (und nicht die Eigenschaften des Zählers) und deren Anforderung an einer sicheren Verschlüsselungstechnik. Am Ende des Projektes soll durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle die Gesamtsicherheit an Komponenten, Infrastrukturen und Organisation sichergestellt werden. Es wird eine CC-Zertifizierung nach ISO/IEC 15408 (Informationssicherheit) angestrebt.
Die endgültige Fassung des Schutzprofils wird derzeit erarbeitet, im September wird ein zertifiziertes Schutzprofil vorliegen. Anschließend folgt die Vorbereitung der Prüfinstitute auf die Zertifizierung nach Common Criteria. Weitere Informationen finden Sie
hier.
Der DVGW wird sich aktiv in die weiteren Entwicklungen einbringen und mögliche gastechnischen Konsequenzen auch im Zusammenhang mit dem seit 2010 veröffentlichten Lastenheft EDL-Zähler Gas V. 2.0 (s. Kasten rechts) beobachten.
Eine vorläufige im DVGW Projektkreis "Zukunft der Haushaltsgasmessung" erarbeitete Stellungnahme zu den Themenfeldern des Smart Meter Gateways (Version 1.0, Datum 04.11.2011) finden Sie
hier (PDF, 101 KB).
DVGW-Rundschreiben Gas 04/10: Lastenheft EDL-Zähler Gas Version 2.0 weiter