
Gespräche im Rahmen der CUWA-Jahreskonferenz am 19. September 2011 in Jinan (im Vordergrund v. l. n. r.: Vize-Bauminister Dr. Qiu Baoxing, Thomas Zenz, DVGW, und Prof. Dr. Shao Yisheng, Leiter des staatl. Institutes für Stadtbau und -entwicklung)

Abb. 2: Gespräche mit der chinesischen Delegation im Rahmen des 150-Jahre-Jubiläums-Kongresses des DVGW (v.r.n. l.: Dr.-Ing. Walter
Über 200 chinesische Wasserversorger haben bislang eine interne TSM-Selbstüberprüfung vollzogen.
Der DVGW hat mit Förderung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) einen Meilenstein beim Aufbau und bei der Implementierung des Technischen Sicherheitsmanagements (TSM) für die Wasserversorgung in China gelegt [1]. Nach vorsichtigen Schätzungen der chinesischen Vereinigung für die städtische Wasserversorgung CUWA (Chinese Urban Water Association) haben bereits über 200 Wasserwerke eine interne TSM-Selbstüberprüfung vorgenommen.
Hintergrund
Seit über vier Jahren unterstützt der DVGW die CUWA beim Aufbau eines eigenen TSM auf der Grundlage des DVGW-TSM [2, 3, 4]. Diese Entwicklungen basieren auf einer Kooperation zwischen CUWA und DVGW einschließlich der Übernahme und Anpassung einiger zentraler Regelwerke des DVGW. China hat sich bewusst nach einem globalen Ranking dafür entschieden, Elemente der Wasserversorgung nach deutschem Vorbild zu übernehmen. Dies gilt insbesondere für das Technische Sicherheitsmanagement des DVGW. Die Tatsache, dass die chinesische Wasserbehörde bereits im Jahr 2008 vier TSM-Pilotprojekte durchgeführt hat, unterstreicht den Willen Chinas, das deutsche TSM flächendeckend einzuführen.
Die vielversprechende Entwicklung des TSM in China hat das BMU veranlasst, das DVGW-Projekt „Aufbau und Implementierung eines technischen Sicherheitsmanagementsystems für die Wasserversorgung in der Volksrepublik China auf Basis des DVGW-Regelwerkes W 1000 (DVGW-TSM)“ für das Jahr 2009 zu fördern.
Erfolgsbilanz
Das TSM-Verfahren ist auf eine breite Zustimmung bei den chinesischen Wasserversorgern und Behörden gestoßen. Folgendes herausragendes Ergebnis ist Beleg für den Gesamterfolg der Projektarbeit:
Nach zurückhaltenden Schätzungen der CUWA haben bereits über 200 Wasserversorger aus etwa acht Provinzen eine interne TSM-Selbstüberprüfung vollzogen. Dabei haben die Wasserversorger anhand eines Fragebogens ihr eigenes Unternehmen auf freiwilliger Basis überprüft. Die Erwartungen von DVGW und CUWA wurden bei Weitem übertroffen. Dieser Gesamterfolg ist das Ergebnis einer Reihe von Einzelelementen. Hier sind u. a. folgende Aspekte hervorzuheben:
- Das einheitliche Verständnis von Prozessen und Randbedingungen des TSM-Verfahrens konnte wesentlich verbessert werden, insbesondere vor dem Hintergrund unterschiedlicher Sprachen und Mentalitäten. Gute Voraussetzungen für diese erfolgreiche Kommunikation haben vor allem die direkten persönlichen Gespräche im Rahmen von gemeinsamen Arbeitstreffen geboten (Abb. 1).
- Grundlage für die Zusammenarbeit von CUWA und DVGW sind bislang drei aufeinander aufbauende Kooperationsvereinbarungen. Diese beziehen sich u. a. auf die Randbedingungen, Strukturen und Prozesse des TSM-Verfahrens.
- Aufgrund der im Rahmen von TSM-Pilotprojekten erzielten Ergebnisse haben die beteiligten Wasserversorger unmittelbar Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet. TSM-Experten wurden nach ihren Erfahrungen zur verfahrenstechnischen Abwicklung der TSM-Vor-Ort-Überprüfungen bei jenen Pilotprojekten befragt. Diese wurden zur Fortentwicklung des TSM-Verfahrens genutzt.
- DVGW und CUWA haben den Trinkwasserversorgungsunternehmen TSM u. a. im Rahmen mehrerer Veranstaltungen erläutert und die Vorteile bekannt gemacht.
- Das Feedback aus den chinesischen Wasserversorgungsunternehmen zum TSM-Leitfaden ist durchweg positiv. Die Tatsache, dass einige große Wasserversorger bei der Erarbeitung des TSM-Leitfadens beteiligt wurden, hat den Imagetransfer wesentlich unterstützt.
- CUWA hat den TSM-Leitfaden, der die Grundlage der internen sowie externen TSM-Überprüfungen bildet, mit den Erfahrungen aus den Pilotprojekten fortgeschrieben und als offizielle Fassung veröffentlicht.
- Das TSM-Verfahren ist mittlerweile weithin anerkannt und wird durch das zuständige Bauministerium zunehmend unterstützt. Dies wird z. B. durch die Art der Veröffentlichung des TSM-Leitfadens ersichtlich. So ordnete das Bauministerium offiziell an, den Leitfaden nicht nur an die CUWA-Mitgliedsunternehmen, sondern an alle städtischen Wasserversorgungsunternehmen zu versenden. Eine weiteres Beispiel für die Unterstützung durch das Bauministerium bestand in der besonderen Art der Bekanntmachung des TSM-Leitfadens in der zu CUWA gehörenden „Zeitung für Wasserversorgung und -Sparen“, die einer „Werbung“ für dieses Verfahren gleichkam. Beide Aktionen sind für chinesische Verhältnisse außergewöhnlich und ein deutliches Zeichen für die Wasserversorger, dass das TSM staatliche Unterstützung findet.
- Von grundsätzlicher und wesentlicher Bedeutung wird seitens CUWA und den chinesischen Wasserversorgern die neue Art der technischen Regelwerksentwicklung herausgestellt, die mit dem TSM verbunden ist. Bisher wurden ähnliche Prozesse oder Dokumente seitens der chinesischen Regierung „Top-down“ eingeführt. Der TSM-Leitfaden und das TSM-Verfahren wurden aber „von unten nach oben“ nach dem „Bottom-up-Prinzip“ erstellt. Damit ist es dem DVGW gelungen, in China Grundlagen für die Entstehung einer technischen Selbstverwaltung zu legen, ein Prinzip, das für Deutschland und nur wenige andere Länder die entscheidende Basis für eigenverantwortliches wirtschaftliches Handeln bildet.
- TSM wurde 2011 in das sogenannte „Chinesische Wasserprojekt“ aufgenommen, ein Forschungsprojekt, das mit mehreren Milliarden Euro ausgestattet ist.
- Auch in Deutschland hat die Kooperation zwischen DVGW und CUWA bei den Mitgliedern des DVGW und der Wasserwirtschaft insgesamt eine neue Akzeptanz erfahren. Dies wurde durch die CUWA/DVGW-Arbeitstreffen zum 150-Jahre-Jubiläumskongress des DVGW deutlich. Als öffentliche Demonstration der Bedeutung der CUWA-DVGW-Kooperation wurde der CUWA-Präsident Zhengdong Li als Ehrenmitglied in den DVGW aufgenommen (Abb. 2).
Nächste Schritte
Wesentliche nächste Schritte zur weiteren Einrichtung und dauerhaften Etablierung des TSM-Verfahrens in China sind:
- das TSM-Verfahren innerhalb des institutionellen Rahmens in China zu implementieren und zu stabilisieren,
- eine Gremienstruktur in der CUWA zur Abwicklung und Fortentwicklung des TSM aufzubauen,
- ein System und eine geregelte Verfahrensweise zur externen Überprüfung der Wasserversorger auf der Grundlage des TSM-Leitfadens zu entwickeln,
- Prozesse zur Fortschreibung der chinesischen technischen Regeln und Anforderungen aufgrund der gewonnenen Erfahrungen im Rahmen des TSM-Verfahrens zu implementieren,
- einen unterstützenden fachlichen Rahmen für die Wasserversorger zur Verbesserung ihrer Leistungsfähigkeit zu schaffen. Dazu gehören beispielweise Schulungsmaßnahmen für Personal, Bereitstellung einer Informationsplattform für die verschiedensten technischen Belange, einschließlich Forschungsvorhaben, Organisation von Veranstaltungen zum fachlichen Erfahrungsaustausch.
Zur Umsetzung der nächsten Schritte ist ein TSM-Workshop in China geplant. Dabei soll auch der mögliche Aufbau eines TSM-Verfahrens in China für Gas einbezogen werden.
Zusammenfassung
Das CUWA-TSM-Verfahren hat mit Hilfe des DVGW die angestrebte breite Zustimmung bei den chinesischen Wasserversorgern und Behörden gefunden. Die finanzielle Förderung durch das BMU war sehr hilfreich. Deutlicher Beleg für den Gesamterfolg der Projektarbeit ist die Tatsache, dass bereits eine große Anzahl von Wasserversorgern aus unterschiedlichen Gebieten Chinas auf freiwilliger Basis eine interne TSM-Selbstüberprüfung durchgeführt hat.
Die neue Art der technischen Regelwerksentwicklung, die mit dem TSM verbunden ist, wird auch auf chinesischer Seite als eine erfolgreiche Entwicklung von grundsätzlicher Bedeutung gewertet. Bisher wurden ähnliche Prozesse oder Dokumente seitens der chinesischen Regierung „Top-down“ eingeführt. Der TSM-Leitfaden und das TSM-Verfahren wurden aber „von unten nach oben“ nach dem „Bottom-up-Prinzip“ erstellt. Dieses Prinzip ist auch grundlegendes Element der technischen Selbstverwaltung in Deutschland.
CUWA-Präsident Zhendong Li dankte dem DVGW und dem BMU für die Unterstützung: „Dies ist eine wertvolle Hilfe für die künftige Verbreitung und Zustimmung zum CUWA-TSM. Ich schätze das TSM als besonders wertvoll und bedanke mich ausdrücklich beim DVGW als dessen Systementwickler sowie bei den dafür zuständigen internationalen Systemgaranten“, erklärte Li.
Literatur:
- [1] Abschluss zum Fördervorhaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit „Aufbau und Implementierung eines technischen Sicherheitsmanagementsystems für die Wasserversorgung in der Volksrepublik China auf Basis des DVGW-Regelwerkes W 1000 (DVGW-TSM)“ des DVGW, Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Thomas Zenz, Internetseite des DVGW www.dvgw.de/angebote-leistungen/technischessicherheitsmanagement-tsm/
- [2] DVGW Internet „Zusammenarbeit zwischen DVGW und CUWA besiegelt – Chinesischer Wasserverband CUWA baut mit Unterstützung des DVGW ein Technisches Sicherheitsmanagement TSM in China auf www.dvgw.de/dvgw/dvgw-international/meldungsdetails/meldung/8531/liste/11631/link//4937cc4a6dbe1d29d03cac5ad2665afb/
- [3] Dipl.-Ing. Thomas Zenz, Wenxing Ma „Kooperation mit dem chinesischen Wasserverband“, DVGW energie | wasser- praxis, Nr. 3/2009, S. 94-95
- [4] Dipl.-Ing. Thomas Zenz, Wenxing Ma „Die Trinkwasserversorgung in China“, DVGW energie | wasser-praxis, Jahresrevue 2007/2008, S. 94-97
- [5] Prof. Dr.-Ing. Hans Mehlhorn, Li Zehndong „Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ein Fortschritt, zusammenarbeiten ein Erfolg“, Geleitwort zur Jahresausgabe 2007/2008, S. 3
- [6] Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Frank Gröschl „Kooperationsvereinbarung mit CWSA“, DVGW energie| wasser-praxis, Nr. 7/2005, S. 63 Dipl.-Ing. Thomas Zenz
Die Erfolge auf einen Blick:
- interne TSM-Selbstüberprüfungen bei über 200 chinesischen Wasserversorgern
- überaus positives Feedback aus den chinesischen Wasserversorgungsunternehmen zum TSM
- Fortschritte hin zu einem einheitlichen Verständnis des TSM-Verfahrens
- Verbesserungsmaßnahmen bei den Wasserversorgern durch TSM-Pilotprojekte
- wachsende Zustimmung zur DVGW/CUWA-Kooperation in China und Deutschland
- Veranstaltungen zur Bekanntmachung des TSM in vielen chinesischen Provinzen
- offizielle Fassung des TSM-Leitfadens im April 2009 von CUWA veröffentlicht
- Anerkennung und Unterstützung des TSM durch das zuständige Bauministerium
- Stärkung der technischen Selbstverwaltung international
- Etablierung des DVGW als internationaler „Systemgarant“ für TSM