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Hochwasser 2002

Editorial des DVGW-Präsidenten Senator E.h. Dipl.-Ing. Helmut Haumann in der DVGW energie|wasser-praxis 9/2002

Von der jüngsten Hochwasserkatastrophe in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen sind auch zahlreiche Versorgungseinrichtungen betroffen. In vielen Gebieten mussten Strom und Gas abgeschaltet und die Trinkwasserversorgung neu organisiert werden. Das ganze Ausmaß der Schäden für die Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung wird wohl erst nach und nach sichtbar werden.

Wenn man diesem Rekordhochwasser etwas Positives abgewinnen kann, dann ist es die beeindruckende Welle der Solidarität, die landauf landab den Betroffenen sprichwörtlich entgegengebracht wurde. Schon in den ersten Tagen der Katastrophe haben viele DVGW-Mitgliedsunternehmen spontan im Sinne einer Solidargemeinschaft Nachbarschaftshilfe geleistet und tun dies immer noch. Viele weitere haben den betroffenen Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt.

Nach Aussage der Bundesanstalt für Gewässerkunde war die im Elbgebiet ablaufende Flutwelle das außergewöhnlichste Hochwasserereignis, das bislang in dieser Region erlebt wurde. Dies hat – teilweise in Verbindung mit dem blitzartigen Auftreten der Scheitel vor allem in mittleren und kleineren Gewässern – zu großflächigen Überflutungen mit katastrophalen Schäden geführt. Neben den Jahrhundertpegelständen war die extrem hohe Fließgeschwindigkeit in einigen Gebieten eine Besonderheit, der selbst massive Bauwerke wie Brücken, Straßen und Wohnhäuser nicht standhalten konnten.

Die vollständige Sanierung und Wiederherstellung der zerstörten Infrastruktur wird eine enorme Kraftanstrengung erfordern. Auch die Gas- und Wasserversorgung ist davon massiv betroffen. Beim Trinkwasser wird es vorrangig um die Wiederherstellung der Versorgungsnetze gehen, die teilweise zerstört oder kontaminiert sind. Im Bereich Wassergewinnung wird sich das Maß der Schäden erst mittelfristig darstellen.

Im Bereich der Gasversorgung haben die hohen Pegelstände insbesondere in Sachsen dazu geführt, dass eine große Anzahl von Hausinstallationen (Gaszähler, Gasdruck-Regelgeräte, Gasgeräte etc.) sowie industrielle Gasanlagen unter Hochwassereinfluss standen und außer Betrieb genommen werden mussten. Die ungewöhnlich hohe Fließgeschwindigkeit hat vielerorts zu einer schweren Beschädigung des Gastransport- und Gasversorgungsnetzes geführt.

Zur Unterstützung der betroffenen Versorgungsunternehmen haben die Verbände DVGW und BGW mit einer Aktion zur technischen Soforthilfe sowie mit der Bewertung von rechtlichen, technischen und wirtschaftlichen Fragen zügig reagiert.

Diese aktuellen Hilfestellungen dürfen uns aber nicht genug sein. Alle aus dieser Katastrophe gewonnenen Erkenntnisse müssen für zukünftiges Handeln im Umgang mit Hochwasser genutzt werden. Zumal auf Grund vielfältiger Aussagen der Klimaforscher zu vermuten ist, dass derartige Extremereignisse künftig weiter zunehmen werden.

Der DVGW wird die Erfahrungen auswerten und die sich daraus ergebenden notwendigen technischen Anforderungen in seiner Gremienarbeit berücksichtigen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Weiterentwicklung des Technischen Regelwerks Gas und Wasser, die Erarbeitung von begleitenden technischen Informationen, die Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben sowie die Überarbeitung von Aus- und Weiterbildungsinhalten.

Nach dem 11. September 2001 hat sich das Technische Sicherheitsmanagement (TSM) des DVGW als wesentliche Basis für Krisen- und Notfallplanung erwiesen. Gerade in Krisen ist ein hohes Maß an Organisationssicherheit notwendig. Aufbau- und Ablauforganisation sollten ebenso schlüssig strukturiert sein wie Kontrolle und Überwachung. Auch hier werden wir für die Zukunft im Sinne einer ganzheitlichen Dienstleistung weitere Beiträge liefern können und müssen.

Senator E.h. Dipl.-Ing. Helmut Haumann,
DVGW-Präsident