11. November 2008
Die Weiterentwicklung der technischen Standards auch im regulierten Markt ist ein zentrales Thema der Gaswirtschaft. Der DVGW als technischer Regelsetzer setze sich dafür ein, dass durch die Regulierung keine die Sicherheit reduzierenden Anreize zur Kostensenkung beim Netzbetrieb gesetzt werden und – im Gegensatz zu manchen anderen regulierten Märkten – Aufwendungen für Instandhaltung und Investitionen in dem notwendigen Umfang erhalten bleiben. Denn ein Substanzverzehr ginge auf jeden Fall zu Lasten der technischen Sicherheit, warnte Dr. Jürgen Lenz, Vizepräsident Gas des DVGW, Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e.V., anlässlich der 47. gat, der Gasfachlichen Aussprachetagung am 11. November 2008 in Dortmund.
Um die Netzzuverlässigkeit zu gewährleisten, hat der Gesetzgeber für den deutschen regulierten Markt ein sogenanntes Qualitätselement Gas implementiert. Dieses Qualitätselement ist Bestandteil der Anreizregulierungsformel und führt bei überdurchschnittlicher Qualität zu monetären Zuschlägen auf die Erlösobergrenze und bei unterdurchschnittlicher Qualität zu Abschlägen.
Den politisch gewollten Prozess der Marktliberalisierung unterstützt und begleitet der DVGW. In seiner Rolle als unabhängiger nationaler Regelsetzer treibt der DVGW die Entwicklung dieses Qualitätselementes gemeinsam mit den Partnern Bundesnetzagentur, Energieaufsicht der Länder und BDEW voran. Ziel ist die Anerkennung von sicherheitstechnisch notwendigen Maßnahmen der Netzbetreiber bei gleichzeitiger Schaffung von mehr Transparenz im Zusammenhang zwischen Kosten und Qualitätsniveau im Netzbetrieb.
In der Vergangenheit konnte Erdgas als umweltfreundlicher, effizienter und komfortabler Energieträger im Wärmemarkt eine beispiellose Erfolgsgeschichte schreiben. Doch die Randbedingungen verändern sich. Sinkender Wärmebedarf aufgrund von Effizienzmaßnahmen, ein anhaltend hohes Preisniveau sowie die wachsende Konkurrenz durch andere Primärenergieträger – im Wesentlichen Holzpellets und die elektrische Wärmepumpe – setzen den Marktanteil von Erdgas insbesondere im Neubau zunehmend unter Druck.
Das Gasfach ist gefordert, durch innovative Lösungen, die eine Effizienzsteigerung ermöglichen, Erdgas auf der Anwendungsseite neu zu positionieren – auch mit dem Ziel, einem ökologisch sinnvollen Klimaschutz Rechnung zu tragen. „Das Leistungspotentiel von Erdgas muss noch besser ausgeschöpft werden“, betonte Lenz. Der Einsatz der Brennwerttechnik und der Ersatz alter Heizkessel, auch in Kombination mit Renewables wie der Solarenergie, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Gemeinsam sind Gerätehersteller, Versorgungsunternehmen und ihre Verbände allerdings gefordert, die nächsten Schritte konsequent vorzubereiten. So haben Gaswirtschaft und Gerätehersteller, die Gaswärmepumpe so weit entwickelt und erprobt, dass sie aus technischer Sicht freigegeben werden kann. Die Technologieentwicklung insbesondere in Richtung Stromproduktion vor Ort, das heißt Kraft-Wärme-Kopplung, müsse gleichzeitig ungebremst weitergehen, unterstrich Lenz.
Die Chancen hierzu seien gut: Der DVGW ist sicher, dass Erdgas – und zwar u.a. als Mischung von Erd- und Biogas – zusammen mit neuen und innovativen Anwendungstechnologien auch eine hervorragende Antwort auf die neuen klimapolitischen Anforderungen darstellt. „Erdgas wird in der Zukunft ein wesentlicher und unverzichtbarer Baustein zur Erfüllung des integrierten Energie- und Klimaprogramms der EU sein“, betonte Dr. Lenz.
Daniel Wosnitzka
