19. Juni 2012


Neben dem Oberbürgermeister der Stadt Freiberg Bernd-Erwin Schramm (rechts) durfte Prof. Bernd Meyer (links), der Rektor der TU Bergakademie Freiberg, auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Katherina Reiche (mitte), auf dem Festkolloquium zu Ehren Wilhelm August Lampadius begrüßen.*

Im Schein einer Nachbildung der historischen Lampadius-Gaslaterne diskutierten mehr als 200 Gäste auf dem Festkolloquium über die Herausforderungen moderner Gastechnologien.*

Gemeinsam mit den Nachfahren von Wilhelm August Lampadius bewundern der Rektor der TU Bergakademie Freiberg, Prof. Bernd Meyer (zweiter von rechts), und Dimosthenis Trimis (links), Professor für Gas- und Wärmetechnische Anlagen am Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik, das neu eingeweihte Lampadius-Denkmal. Auch Benjamin Lampadius (dritter von rechts), der Ur-Ur-Ur-Enkel von Wilhelm August Lampadius, studiert an der Ressourcenuniversität.*

Unter der historischen Nachbildung der Lampadius-Gaslaterne am Freiberger Obermarkt, enthüllen Prof. Dimosthenis Trimis vom Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik, der Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Freiberg, Axel Schneegans, und Freibergs Oberbürgermeister, Bernd-Erwin Schramm (von links), die neue Lampadius-Plakette.*
DVGW und TU Bergakademie begehen 200-jähriges Jubiläum des Gaslichts auf dem europäischen Kontinent
Freiberg, 19. Juni 2012 – „Wer eine schnelle Integration der erneuerbaren Energien in das Energiesystem will, kommt an Gas nicht vorbei. Gas ist mehr als eine Brückentechnologie, Gas ist der Schlüssel zur Welt der erneuerbaren Energien.“ Dies erklärte der Vize-Präsident Gas des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches, Dr. Jürgen Lenz, auf einer Feierstunde zu Ehren von Wilhelm August Lampadius am 19. Juni 2012 an der TU Bergakademie im sächsischen Freiberg. Der Freiberger Wissenschaftler Lampadius, der als Pionier der kontinentaleuropäischen Gastechnik gilt, hatte vor 200 Jahren das erste Gaslicht auf dem europäischen Kontinent installiert.
Höhepunkte des Tages zu Ehren des großen Technik-Gelehrten Wilhelm August Lampadius waren die Anzündung der historischen Lampadius-Gaslaterne am Freiberger Obermarkt und die Einweihung des neuen Lampadius-Denkmals auf dem Gelehrtenweg hinter dem Schloss Freudenstein. Mehr als 200 Gäste kamen zu dem Festkolloquium, bei dem die Energiespeicherung als Schlüsselthema für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien im Mittelpunkt stand. 15 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie werden bereits heute aus erneuerbaren Energien gewonnen – Tendenz steigend. Bis 2020 soll sich der Anteil auf über 30 Prozent erhöhen.
Doch Energie aus Sonnenlicht und Windenergie lässt sich nur schwer speichern: „Es ist schlichtweg unmöglich, den erhöhten Speicherbedarf für Strom in den nächsten acht Jahren mit herkömmlichen Methoden sicherzustellen“, so Dimosthenis Trimis, Professor für Gas- und Wärmetechnische Anlagen am Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik der Technischen Universität Bergakademie Freiberg. „Gas wird eine entscheidende Rolle bei der Speicherung von erneuerbaren Energien spielen“, so Trimis weiter.
Die Technologie „Power-to-Gas“ steht dabei für ein Verfahren, bei dem regenerativ erzeugter Strom per Elektrolyse für die Produktion von Wasserstoff genutzt wird. Dieser lässt sich sowohl direkt in das Erdgasnetz einspeisen oder mit Kohlendioxid zum Beispiel aus Bio-Erdgasanlagen zu synthetischem Methan, also Erdgas weiterverarbeiten. Das Erdgasnetz und die Untertagespeicher bieten ausreichend Kapazitäten, um die beiden erneuerbaren Energieträger Wasserstoff und synthetisches Methan nach Bedarf zu speichern.
In einem Grußwort verwies die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Katherina Reiche, auf die lange Tradition der Freiberger Gastechnik seit Lampadius. Damals wie heute sei es darum gegangen, Gasinnovationen zum Nutzen der Menschen einzusetzen, das Miteinander sicherer und die Industriearbeit effizienter zu machen. Heute bestehe das Ziel nicht mehr in der Beleuchtung von Städten und Industrieanlagen, sondern in der Transformation des gesamten Energiesystems hin zu einer gesicherten Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien, betonte Reiche.
Hintergrund: Wilhelm August Lampadius – 200 Jahre Gaslicht auf dem europäischen Kontinent
1812 ließ Wilhelm August Lampadius, damals Professor für Chemie und Hüttenkunde an der Bergakademie, erstmals seine selbst konstruierte Gaslaterne auf der Fischerstraße in Freiberg leuchten. Im Winter 1812 baute er in seiner Wohnung auf der Fischergasse in Freiberg den Prototyp einer Mini-Gasanstalt auf, um in der dunklen Jahreszeit die Gasse mit einer an der Haus-Außenwand befestigten „Thermolampe“ zu beleuchten. Eine historisch nachgebildete Gaslaterne ist noch heute an dieser Stelle zu besichtigen. Das war die Gründungsstunde der deutschen und kontinentaleuropäischen Gastechnik. Lampadius führte seine Leuchtgas-Technologie selbst rasch in die Praxis ein. Im gleichen Jahr präsentierte er auf dem Freiberger Obermarkt die besondere Helligkeit seiner Gaslaternen gegenüber den Öllampen. Danach baute er im Jahr 1815 das erste industrielle Gaswerk in Halsbrücke bei Freiberg auf.
Gasforschung in Freiberg
Das Freiberger Institut für Wärmetechnik und Thermodynamik und das DBI-Gastechnologische Institut sind maßgeblich an der deutschlandweiten Forschung der Power-to-Gas-Technologie beteiligt: Der DVGW stellte für diese Forschung sechs Millionen Euro bereit, ein großer Teil davon fließt in Freiberger Forschungsprojekte. So werden in den Labors und Technika der TU Bergakademie Freiberg und des DBI Freiberg unter anderem analysiert, wie die Speicherkapazitäten und die Wirkungsgrade der Energiewandlung im Kontext des gesamten Energiesystems optimiert werden können.
Rede von Herrn Dr. Jürgen Lenz (PDF, 98 KB)
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Daniel Wosnitzka
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An der TU Bergakademie Freiberg in Sachsen, der deutschen Ressourcenuniversität, wird in den vier Themengebieten Geo, Material, Energie und Umwelt für eine nachhaltige und effiziente Stoff- und Energiewirtschaft gelehrt und geforscht.
* Quelle bei allen Motiven: TU Bergakademie Freiberg/Eckardt Mildner.
Daniel Wosnitzka
