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Düngemittel

Nitrat im Grundwasser: Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft müssen dringend reduziert werden

BDEW, DVGW und VKU appellieren in einem gemeinsamen Schreiben an den zuständigen Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, Dr. Kloos, mit der laufenden Novellierung der Düngeverordnung die Chance für die dringend notwendige Reduzierung der Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft zu nutzen.

DVGW Wasser-Information Nr. 85 "Stickstoffumsatz im Grundwasser"

Hohe Nitratkonzentrationen stellen die Hauptbelastung für das Grundwasser in Deutschland dar und hängen überwiegend mit hohen Stickstoffüberschüssen aus der Landwirtschaft zusammen. Nitratreduktionsprozesse können zu einer Minderung der Konzentrationen beitragen und sind häufig anhand vorhandener Grund- und Rohwasserwasseranalysen zu identifizieren. Allerdings ist das Nitratabbaupotenzial in Form von Kohlenstoff- und Schwefelgehalten in den Grundwasserleitern endlich. Wie die „Lebensdauer“ des Nitratabbaus möglichst realistisch abgeschätzt werden kann und welchen Grenzen Aussagen zum Nitratbabbau unterliegen, wird in verständlicher Form in der im März 2015 erschienenen  DVGW Wasser-Information 85 „Stickstoffumsatz im Grundwasser“ beschrieben. Sie ist auch als gleichnamiger DWA-Themenband T2/2015 erschienen.

Wasser-Information Nr. 85 kaufen

Novellierung der Düngeverordnung 2015

Das BMEL hat am 18.12.2014 den Entwurf für einer Verordnung zur Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen vorgelegt. Damit wird es nun ernst mit der lange erwarteten und auch von der Europäischen Kommission im laufenden Vertragsverletzungsverfahren wegen unzureichender Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie dringend angemahnten Novellierung der Düngeverordnung. Um mit der Düngeverordnung die Voraussetzungen für eine pflanzenbedarfsgerechte Düngung und die Erreichung der Umweltziele der EG-Nitratrichtlinie zu schaffen, sieht der DVGW allerdings in vielen Regelungsbereichen des Entwurfs größeren Anpassungsbedarf:

  • umfassende, nachvollziehbare und dokumentierte Berücksichtigung aller anfallenden pflanzenbedarfs- und umweltrelevanten N- und P-Flüsse ohne Herausrechnen umweltrelevanter N- und P-Verluste (§§ 8 und 9). Eine Voraussetzung hierfür ist die Einführung der Brutto-Hoftorbilanz als Basis für Nährstoffvergleiche und deren Bewertung
  • Orientierung der Obergrenzen für die organische Stickstoffdüngung an deren N-Effizienz ohne Ausnahmen (§ 6)
  • an Pflanzenbedarf und Vegetationszeiträume angepasste Sperrfristen (§ 6 Absätze 7 und 8)
  • größere und vollzugsfähige Abstandsregelungen zu oberirdischen Gewässern (§ 5)
  • angemessene Lagerkapazitäten für Wirtschaftsdünger einschließlich Gärrückstände (§ 12)
  • standortspezifische Düngebedarfsermittlung ohne unsachgemäße bzw. nicht nachvollziehbare Hochrechnung der Bedarfsmengen (§§ 3 und 4 sowie Anlage 4)
  • Orientierung der Phosphatdüngung am Versorgungszustand der Böden (§ 9 Absatz 3) mit Absenkung der P-Gehalte hoch und sehr hoch versorgter Böden auf die Gehaltsklasse C (Erhaltungsdüngung)

Diese Anpassungen sind durch die Ergänzung der Liste der Ordnungswidrigkeitstatbestände zu flankieren, um das Überschreiten der Obergrenzen für die organische Stickstoffdüngung und des Kontrollwertes des zulässigen Stickstoffüberschusses zu verhindern (§ 14). Des Weiteren muss die Länderöffnungsklausel den Ländern zusätzliche Möglichkeiten bieten, in Gebieten, in denen die o. g. Regelungen nicht zur Erreichung der Umweltziele ausreichen, weitergehende Maßnahmen zu ergreifen (§ 13).

Die Vorschläge des DVGW basieren u.a. auf den langjährigen Erfahrungen aus dem kooperativen Gewässerschutz von Landwirtschaft und Wasserwirtschaft im Rahmen der Bewirtschaftung der Gewässerressourcen für die Trinkwasserversorgung.

 DVGW: Stellungnahme vom 21.07.2015 Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Düngegesetzes vom 30.06.2015 (PDF, 191 KB)

 DVGW: Stellungnahme vom 30.01.2015 zum Entwurf einer Verordnung zur Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung – DüV) vom 18.12.2014 (PDF, 498 KB)

BMEL: Entwurf einer Verordnung zur Neuordnung der guten fachlichen Praxis beim Düngen (Düngeverordnung – DüV) vom 18.12.2014

Gemeinsamer Standpunkt "Kompost" BGK und DVGW

Der DVGW und die Bundesgütegemeinschaft Kompost (BGK) haben im Juli 2009 einen gemeinsamen Standpunkt zur "Kompostausbringung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen aus Sicht des Gewässerschutzes" abgestimmt.

Mit dem Einsatz von Kompost können aus Sicht des Gewässerschutzes Gefährdungen verbunden sein. Dies betrifft bspw.

  • die unabhängig vom Pflanzenbedarf und der Nährstoffaufnahme mögliche Freisetzung von Stickstoff aus der Mineralisation der organischen Substanz
  • den Eintrag von bekannten und unbekannten Schadstoffen oder
  • mikrobiologische Einträge (z.B. Viren, Parasiten), da die Hygienisierung im Sinne der Bioabfallverordnung nur eine Keimzahlreduzierung, aber keine Sterilisierung bewirkt.

Bei der Ausbringung von Komposten in Trinkwasserschutz- und Wassergewinnungsgebieten ist die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Gebiete angemessen zu berücksichtigen. Die Anwendung von Komposten kann dabei nur als Einzelfallentscheidung in Abstimmung mit allen Beteiligten auf der Basis der jeweiligen landesrechtlichen Regelungen erfolgen.

Aus Vorsorgegründen und zur Minimierung von Risiken aufgrund unbekannter Spurrenstoffe haben DVGW und BGK vereinbart die Ausgangsmaterialien zur Kompostierung auf weitgehend unbedenkliches pflanzliches Material wie Garten- und Parkabfälle zu beschränken. Komposte aus diesen Ausgangsmaterialien sind für den Einsatz nach Einzelfallprüfung u. a. Standort- und Bedarfsanalyse in der Schutzzone II geeignet. Komposte, die neben Garten- und Parkabfällen auch Bioabfälle aus der getrennten Erfassung (Biotonne) enthalten, können in der Schutzzone III eingesetzt werden.

Die Bundesgütegemeinschaft Kompost wird jene Komposte, die für den Einsatz in Wasserschutzgebieten geeignet sind in den Prüfzeugnissen mit "geeignet für WSZ III bzw. WSZ II" ausweisen.

Den Volltext des Gemeinsamen Standpunktes "Kompost" finden Sie hier:

 Gemeinsamer Standpunkt BGK DVGW (PDF, 1.73 MB)

 Kompostausbringung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen (PDF, 88 KB), Aufsatz von Dr. Claudia Castell-Exner, aus DVGW energie | wasser-praxis, Nr. 09/2009, S. 159.

Artikel

"Hoftorbilanz muss für alle Betriebe gelten"
Pressemitteilung des DVGW vom 22.4.2015 zur Novellierung der Düngeverordnung

DVGW sieht Anpassungsbedarf bei Novellierung der Düngeverordnung 2015
Artikel aus dem DVGW konkret 1/2015