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Materialien und Produkte im Kontakt mit Trinkwasser

Zu den wichtigen Aspekten in der Trinkwasserversorgung zählt die Auswahl von geeigneten Werkstoffen. Die Werkstoffe und Produkte müssen nicht nur verschiedensten technischen und mechanischen Ansprüchen genügen, sondern vor allem auch hygienisch unbedenklich sein. Siehe hierzu auch Änderung des § 17 sowie den Artikel  "Materialien und Werkstoffen im Kontakt mit Trinkwasser aus Sicht der Trinkwasserverordnung (PDF, 323 KB)" von Schell und Tuschewitz aus der DVGW ewp 2/2013.

Bewertungsgrundlagen nach § 17 TrinkwV 2001

Der § 17 der zurzeit gültigen Trinkwasserverordnung gibt dem Umweltbundesamt (UBA) die neue Aufgabe, verbindliche Bewertungsgrundlagen mit eindeutigen hygienischen Anforderungen für Materialien und Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser zu erarbeiten (§ 17 Absatz 3). Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Werkstoffe und Materialien in der Wasserversorgung keine unerwünschten Substanzen in das Trinkwasser abgeben oder das Wachstum von Mikroorganismen fördern. Die vom UBA festgelegten hygienischen Bewertungsgrundlagen gelten zwei Jahre nach ihrer Veröffentlichung als verbindlich. Als erste Bewertungsgrundlage ist die Bewertungsgrundlage für metallene Werkstoffe im Kontakt mit Trinkwasser (Metall-Bewertungsgrundlage) vom 2. April 2015 vom Umweltbundesamt im Bundesanzeiger veröffentlicht worden (BAnz AT 10.04.2015 B9). Sie wird zwei Jahre nach der Veröffentlichung verbindlich.

Bewertungsgrundlage des UBA

2. Europäische Konferenz zu Materialien und Produkte in Kontakt mit Trinkwasser

DVGW bereitet harmonisierten EU-Ansatz zur Umsetzung der EG-Trinkwasserrichtlinie mit der Europäischen Kommission und Partnerverbänden vor

Materialien, Werkstoffe und Produkte im Kontakt mit Trinkwasser müssen seit 2000 die Anforderungen nach Artikel 10 der EG-Trinkwasserrichtlinie erfüllen. Dabei obliegt es den Mitgliedstaaten sicherzustellen, dass die bei der Aufbereitung oder der Verteilung von Wasser für den menschlichen Gebrauch verwendeten Stoffe oder Materialien im Trinkwasser nicht in Konzentrationen zurückbleiben, die höher sind als für ihren Verwendungszweck erforderlich.
Seit dem Inkrafttreten der Richtlinie haben sich europaweit diverse Ansätze zur Umsetzung dieses Artikels entwickelt: Während es in manchen Ländern bislang keine Anforderungen gibt, gelten in anderen Mitgliedstaaten bereits spezielle nationale Regelungen. Ferner gelten in Europa für bestimmte Produkte auch noch die Anforderungen der EU-Bauproduktenverordnung. Unter dem Duktus der Warenverkehrsfreiheit darf letztendlich jedes Produkt, das in einen Mitgliedsstaat der EU eingeführt worden ist, auch ohne jegliches angemessenes Qualitäts- und Schutzniveau vor allem in Bezug auf die Hygiene innerhalb der gesamten EU verkauft werden.
Ferner existiert bislang kein europaweit einheitliches Zulassungs- bzw. Konformitätsbewertungssystem. Dies wird entweder durch staatliche Stellen oder private Institutionen geregelt. Diese Heterogenität führt dazu, dass bei der Erteilung von Zulassungen bzw. Zertifikaten in den einzelnen Mitgliedstaaten Prüfungen für Produkte mit gleichem Prüfungsinhalt oder auf vergleichbarer Basis mehrfach anfallen. Insgesamt führt dies zu erheblichen finanziellen Aufwendungen für die Industrie, ohne dass dies mit einer höheren Produktqualität und -sicherheit einhergeht.
Seit der 1. Konferenz im Mai 2015 sind nunmehr alle interessierten Kreise sowie die Generaldirektionen Umwelt sowie Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU in einem Forum vereinigt. In der Zwischenzeit sind die Vorbereitungen für den von allen Beteiligten angestrebten, einheitlichen, europäischen Ansatz zur Umsetzung des Artikels 10 der Trinkwasserrichtlinie vorangeschritten – insofern der richtige Zeitpunkt, über den Stand und die weiteren geplanten Schritte zu informieren.

Europäische Konferenz zu Materialien und Produkte in Kontakt mit Trinkwasser:
 Programm der 2. Konferenz (PDF, 4.02 MB)
Rückblick auf die 1. Konferenz und die Roundtable-Gespräche in der Zwischenzeit

Organische Materialien oder Materialien mit organischen Bestandteilen

Für die hygienische Unbedenklichkeit werden die Werkstoffe und Produkte im Hinblick auf die Migration chemischer Substanzen und das Wachstum von Mikroorganismen geprüft.

Der DVGW hat erfolgreich das Verfahren des DVGW W 270 zur Bestimmung des mikrobiellen Wachstums auf Materialien auf der europäische Ebene eingebracht. Es ist nun in der vor kurzem veröffentlichten DIN EN 16421 beschrieben. Es ist dort eines von drei möglichen Verfahren zur Bestimmung des mikrobiellen Wachstums.
Die DIN EN 16421 nennt jedoch, wie jede Norm, keine Kennwerte für die Bewertung der Ergebnisse der Verfahren. Würde der DVGW nun sein Arbeitsblatt W 270 zurückziehen, wären keine national verbindlichen Kennwerte mehr vorhanden, um die mikrobielle Eignung von Materialien und Produkten zu beurteilen.
Es ist geplant, dass das Umweltbundesamt (UBA) die Kennwerte in seine UBA-Leitlinien aufnimmt. Nichtsdestotrotz ist die KTW-Leitlinie keine Rechtsnorm und daher unverbindlich, während das DVGW-Arbeitsblatt W 270 eine allgemein anerkannte Regel der Technik ist, auf die der § 17 der TrinkwV 2001 direkt verweist.
Das Umweltbundesamt plant die Überführung der KTW-Leitlinie in eine Bewertungsgrundlage nach dem geänderten § 17 Absatz 3 der Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001).
Sobald dies geschehen ist und in der Bewertungsgrundlage verbindliche Kennwerte für die Prüfung auf mikrobielles Wachstum festgelegt sind, wird der DVGW sein Arbeitsblatt zurückziehen.

Nach der KTW-Leitlinie des Umweltbundesamtes beziehungsweise den weiteren Leitlinien (Epoxidharzleitlinie, Beschichtungsleitlinie, Schmierstoffleitlinie, Elastomerleitlinie in Erarbeitung) werden u.a. die Zusammensetzung (Rezeptur) der Materialien auf ihre Übereinstimmung mit den Positivlisten (u.a. des Bundesinstituts für Risikobewertung, BfR) und die Migration von chemischen Substanzen (Einzelstoffe, Summenparameter) bestimmt.

Nähere Informationen zu den Leitlinien des UBA

Leitlinien Epoxidharz des UBA

Das Lenkungskomitee Wasserverwendung hat auf seiner Sitzung am 24.5.2011 beschlossen, das Regelwerk zur Epoxidharzinnensanierung in der Trinkwasser-Installation mit sofortiger Wirkung zurückzuziehen, da derzeit aus trinkwasserhygienischer und technischer Sicht relevante Datengrundlagen und Voraussetzungen fehlen bzw. nicht bekannt sind.

Die Beschichtungsleitlinie des Umweltbundesamtes benennt Anforderungen an die hygienische Eignung von Beschichtungen und führt in der Anlage 5 die organischen Beschichtungen mit bestandener Prüfung entsprechend der UBA-Leitlinie auf Epoxidharzbasis auf. Für Rohre DN kleiner 80 mm ist zurzeit (Stand: 13. März 2013) keine Beschichtung auf Epoxidharzbasis gelistet.

Weitere Informationen auf der Seite des Umweltbundesamtes unter dem Stichwort "Bewertungsgrundlagen und Leitlinien - Beschichtungsleitlinie" sowie auf derselben Seite unter "Weitere Dokumente - Beschichtungsleitlinie".

Metalle beim Einsatz im Trinkwasserbereich

Allgemein müssen Metalle und Metalllegierungen beim Einsatz im Trinkwasserbereich die Vorgaben der DIN 50930-6 entsprechen.

Blei

Blei sollte in der Trinkwasserversorgung allgemein nicht mehr eingesetzt werden, da es zu schweren Nervenschäden führen kann. Aufgrund der gesundheitlichen Gefährdung wurde der Grenzwert für Blei auf 10 µg/l zum 1.12.2013 herabgesetzt. Der DVGW hat schon frühzeitig in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung, dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft sowie dem Umweltbundesamt, dem BGW und dem ZVSHK darauf hingewiesen, dass die Bleirohre ausgetauscht gehören, um die Grenzwerte einzuhalten.

 Empfehlungen von Maßnahmen im Falle einer Grenzwertüberschreitung von Blei im Trinkwasser (PDF, 175 KB)

Artikel von Dr. Thomas Rapp und Dipl.-Ing. Volker Meyer, aus: DVGW energie | wasser-praxis Nr. 6/2013

Verbraucherinformationen zum Thema Blei

Metallene Werkstoffe für Produkte in Kontakt mit Trinkwasser

Bedeutung für das DVGW Regelwerk und Ausblick für die Zukunft.
Artikel von Peter Frenz, aus: DVGW energie | wasser-praxis, Nr. 4/2009

 Metallene Werkstoffe für Produkte in Kontakt mit Trinkwasser (PDF, 74 KB)

Nickel: Vernickelung von wasserberührten Oberflächen

Aus den Ergebnissen des Forschungsvorhabens "Nickelabgabe aus Anschlussschläuchen für Sanitärarmaturen mit vernickelten Verbindern" (W 10/01/07) ergibt sich, dass aus hygienischen Gründen auf eine Vernickelung von wasserberührten Oberflächen solcher Bauteile generell zu verzichten ist.  Eine technische Notwendigkeit für diesen Überzug ist ohnehin nicht gegeben.

 Beschluss zum Regelwerk 1/2009: Vernickelung von wasserberührten Oberflächen (PDF, 11 KB)

 Beschluss zum Regelwerk 2/2009: Nickelüberzüge von Produkten in Kontakt mit Trinkwasser (PDF, 15 KB)

 Nickelüberzüge von Produkten in Kontakt mit Trinkwasser (PDF, 272 KB),
Aufsatz von Dr. Thomas Rapp und Dipl.-Ing. Peter Frenz, in: DVGW energie | wasser-praxis, Nr. 2/2010

Nur für Mitglieder

Blei und Trinkwasser (01.09.04)
Technische Information des DVGW