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Was ist eigentlich das DVGW-Regelwerk?

Verein

19. Oktober 2020

Wir drehen an der Heizung und es wird warm, wir drehen am Wasserhahn und es läuft. Klingt ziemlich banal und selbstverständlich – ist es aber gar nicht! Bloß wie kommt es eigentlich, dass uns keine böse Überraschung erwartet und wir plötzlich auf dem Trockenen sitzen oder die Wohnung im Winter einfach kalt bleibt? Rund um die Uhr gewährleisten die Gas- und Wasserversorger in Deutschland ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Sicherheit, die insbesondere auf den Vorgaben des DVGW-Regelwerks beruht. Als unabhängiger technisch-wissenschaftlicher Verein ist der DVGW für die Regelsetzung in der öffentlichen Gas - und Wasserversorgung zuständig und trägt somit die Verantwortung für die hohen Standards in Deutschland.

Technische Selbstverwaltung in Deutschland

Unsere Gas- und Wasserversorgung ist sicher, wirtschaftlich und umweltfreundlich. Wesentlicher Grund hierfür ist ein besonderes System, das sich seit Jahrzehnten bestens bewährt und Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich einen Spitzenplatz verschafft – die technische Selbstverwaltung. Diese bedeutet, dass der Staat den gesetzlichen Rahmen für die Versorgung mit Energie und Wasser bestimmt, hierbei jedoch auf eine detaillierte Festlegung im einzelnen verzichtet. Stattdessen räumt er der Versorgungswirtschaft eine Eigenverantwortung sowie Selbstorganisation ein.

Der Staat verweist explizit auf die Beachtung sowie Einhaltung des DVGW-Regelwerks und beschränkt sich auf eine zurückhaltende Aufsicht. Durch diese Verankerung erhält das DVGW-Regelwerk den Status eines Instruments mit Gesetzescharakter, was einerseits den Unternehmen Rechtssicherheit bietet, andererseits den Staat mit einer fachlich unabhängigen Autorität unterstützt.

Wenn ein Unternehmen nach den Vorgaben des DVGW-Regelwerks handelt, wird zunächst einmal angenommen, dass die erforderliche Sorgfalt tatsächlich eingehalten wurde. Weil die technische Regeln aber nur empfehlenden Charakter haben, kann von ihnen abgewichen werden, was dann aber beweisrechtliche Nachteile zur Folge hätte. Dem kann vor allem bei der Klärung von Verantwortlichkeiten nach einem Schadensfall erhebliche Bedeutung zukommen.

Zusammenspiel von Gesetzgebung, Technischer Selbstverwaltung und betrieblicher Praxis
Zusammenspiel von Gesetzgebung, Technischer Selbstverwaltung und betrieblicher Praxis © DVGW
Ehrenamt für Qualität, Sicherheit und Umweltschutz

Mit seiner mehr als 150-jährigen Erfahrung bündelt der DVGW als unabhängige Instanz die interdisziplinäre Fachkenntnis von Experten aus Ministerien, Behörden, Unternehmen und Wissenschaft. Die technischen Regeln werden von verschiedenen ehrenamtlich besetzten Gremien in einem transparenten Prozess und laufend unter Berücksichtigung neuster Erkenntnisse aktualisiert. So kann stets der aktuelle Stand der Technik abgebildet und ein Höchstmaß an Sicherheit in der Gas- und Wasserversorgung gewährleistet werden.

Von der Leitungstechnik über die Anlagentechnik bis zur Haustechnik – das DVGW-Regelwerk deckt alle Bereiche der Gas- und Wasserversorgung ab und sorgt mit seinen Anforderungen für ein Höchstmaß an Sicherheit für Mensch und Umwelt. Für den gesamten Weg von der Quelle bis zum Verbraucher machen rund 1250 Regeln detaillierte Vorgaben für die gesamte Infrastruktur. Aufgrund des über Jahrzehnte erreichten hohen Standards zählt die deutsche Gas- und Wasserversorgung zu den sichersten weltweit. Bei Schäden oder Unfällen schneidet Deutschland im internationalen Vergleich trotz des sehr komplexen und dichten Leitungsnetzes mit Bestwerten ab.

So entsteht das DVGW-Regelwerk
Regelsetzung des DVGW
So entsteht das DVGW-Regelwerk – praxisnah, effizient, transparent © DVGW
  1. Bedarf: Besteht in der Praxis ein Problem oder Klärungsbedarf wird geprüft, ob das DVGW-Regelwerk überarbeitet oder erweitert werden muss. Auch neue Erkenntnisse aus der Forschung oder technische Entwicklungen und Innovationen können hierfür der Anlass sein. Ist das Thema relevant, wird die Regelsetzungsarbeit eingeleitet und die Fachöffentlichkeit darüber informiert, dass ein neues Arbeitsblatt erstellt wird.
     
  2. Erarbeitung: Das Thema wird einem von über 400 DVGW-Fachgremien zugewiesen. In ihnen engagieren sich rund 2.600 ehrenamtliche Experten, die aus Wirtschaft, Wissenschaft und Behörden stammen und ihr Fachwissen einbringen.

  3. Entwurf: Sobald ein erster Entwurf des Arbeitsblattes vorliegt, wird dieser als sogenannter Gelbdruck veröffentlicht. Gleichzeitig startet hiermit ein Beteiligungsverfahren, in dem der Entwurf eingehend von der Fachöffentlichkeit geprüft werden und Stellung genommen werden kann. So besteht die Möglichkeit Änderungen und Ergänzungen vorzuschlagen oder auch Einspruch einzulegen.

  4. Beratung: Nach Abschluss des Beteiligungsverfahrens werden alle Einreichungen im Fachgremium gemeinsam mit den Stellungnehmenden beraten und der Entwurf bei Bedarf angepasst.
     
  5. Veröffentlichung: Sobald die Überarbeitung abgeschlossen ist, tritt das neue Arbeitsblatt in Kraft und erscheint als sogenannter Weißdruck.
     
  6. Anwendung: In der Praxis kann das neue Arbeitsblatt nun angewendet werden und bietet nicht nur Hilfestellung sondern auch Rechtssicherheit.

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