25. April 2018

Verkehrsbedingte Umweltbelastungen in Nordrhein-Westfalen senken

Runder Tisch für saubere Mobilität konstituiert sich
Experten für Mobilität entwickeln Strategien zur Reduzierung verkehrsbedingter Umweltbelastungen in NRW; © DVGW/Kaderie
Gemeinsame Presseinformation von DVGW und EnergieAgentur.NRW vom 25. April 2018

Die Energiewende ist in der Mobilität noch nicht angekommen: Umweltbelastungen durch Luftschadstoffe wie Stickoxid und Feinstaub, aber auch der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 gehen zum großen Teil auf das Konto des Verkehrssektors. Die aktuelle Diskussion zur Luftreinhaltung in Ballungsräumen, verbunden mit drohenden Fahrverboten, zeigt die Dringlichkeit, Schadstoffemissionen wirksam zu reduzieren. Und sie rückt die Vorteile der Erdgasmobilität in den Fokus von Wirtschaft und Politik. Dabei geht es um marktfähige, rasch greifende Lösungen, die gerade Gas mit seinen sauberen Eigenschaften bei der Verbrennung bietet.

Damit Gas in der Mobilität stärker Fahrt aufnehmen kann, haben der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und die EnergieAgentur.NRW heute in Düsseldorf den Runden Tisch Gasmobilität gegründet. Rund 40 Vertreter aus der Gaswirtschaft, Automobilindustrie und Politik werden sich in Zukunft regelmäßig zu politischen Rahmenbedingungen in Nordrhein-Westfalen, zu Fahrzeugangeboten und Praxiserfahrungen, Kraftstoffen und Tankstellen-Infrastruktur austauschen. Sie entwickeln Strategien, um Compressed Natural Gas (CNG), Liquefied Natural Gas (LNG) und Biomethan in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland auf die Straße zu bringen. Die Plattform versteht sich als Ergänzung zur „Initiative Erdgasmobilität – Erdgas und Biomethan als Kraftstoffe“ der Bundesregierung.

„Bund, Land und Kommunen sollten sich auf eine Verkehrspolitik konzentrieren, die Gesundheitsschutz und effiziente Mobilität in den Mittelpunkt stellt. Dazu bedarf es konkreter Konzepte für den Ausbau der Infrastruktur für Bus, Bahn und Fahrrad, um diese Verkehrsmittel so attraktiv zu machen, dass auf das Auto in der Innenstadt verzichtet werden kann. Da dies jedoch nicht immer möglich sein wird, müssen für den Individualverkehr ebenso wie für den ÖPNV alternative Antriebsmöglichkeiten entwickelt und zur Serienreife gebracht werden“, sagte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel.

Vorteile von erdgasbetriebenen Fahrzeugen © DVGW

„Wenn wir jetzt von Benzin und Diesel auf Gas umstellen, können wir sofort die Emissionen von Luftschadstoffen, den Lärm und Treibhausgase spürbar reduzieren und müssen nicht darauf warten, bis andere Optionen Marktreife erreicht haben“, betonte Dr. Dietrich Gerstein, Experte für Mobilität beim DVGW. „Mit dem runden Tisch wollen wir Politik und Industrie vernetzen und kurzfristige Lösungen zur Reduzierung von Umweltbelastungen im Verkehrsbereich initiieren und umsetzen“, ergänzte Dr. Frank Köster von der EnergieAgentur.NRW.

Mit rund 160 Millionen Tonnen CO2 verursachte der Mobilitätssektor im Jahr 2016 ungefähr ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland. Seit 1990 stiegen die vom Straßenverkehr verursachen CO2-Emissionen sogar weiter an.

Die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid (NO2) ist unverändert hoch und damit das Problem Nr. 1 in den Städten Nordrhein-Westfalens. Das zeigen die 2016 gemessenen Ergebnisse zur Luftqualität des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV): An 60 von 127 Messstellen wurde der EU-Grenzwert für die mittlere Jahresbelastung nicht eingehalten.

Besonders hoch belastet war die Luft an stark befahrenen Straßen in Ballungsräumen. Dort wird die Einhaltung des Grenzwertes ohne weitere und einschneidende Maßnahmen auf längere Sicht nicht möglich sein. Damit bleibt Stickstoffdioxid weiterhin der kritischste Luftschadstoff in NRW. Hauptverursacher dieser hohen NO2-Belastung sind nach wie vor der Straßenverkehr und hier besonders die Diesel-Fahrzeuge.

Dabei sind es nur zwei Schritte auf dem Weg zu sauberer Mobilität: Im „Fuel Switch“ lösen CNG und LNG Benzin und Diesel ab. Dadurch vermindert sich der Ausstoß von Luftschadstoffen signifikant; zudem kann beim klimaschädlichen CO2 rund ein Viertel eingespart werden. Werden in einem „Content Switch“ dem Erdgas zum Beispiel Biogas, synthetisch erzeugte „grüne“ Gase oder Wasserstoff beigemischt, verbessert sich ihre Bilanz nochmals.

CNG ist nicht nur ein umweltfreundlicher Kraftstoff, sondern auch kostengünstig. Die Kraftstoffkosten sind deutlich niedriger als bei Benzin oder Diesel. Bei höheren Fahrleistungen amortisieren sich leicht erhöhte Fahrzeugkosten schnell. Dennoch fahren in Deutschland derzeit lediglich rund 100.000 Fahrzeuge mit Gas; in NRW sind es etwas mehr als 15.000 – für eine effektive Verkehrswende zu wenig.

Ansprechpartner
Sabine Wächter
Hauptgeschäftsstelle / Ordnungspolitik, Presse und Öffentlichkeitsarbeit

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