05. Februar 2026
Das Oldenburger Rohrleitungsforum steht 2026 unter dem Motto: “Alt und Neu – Strategien für Netze von morgen”. DVGW-Vorstand Dr. Wolf Merkel skizziert dazu die Herausforderungen, vor denen die Trinkwasserversorgung steht.
Deutschland verfügt über eines der zuverlässigsten Trinkwassernetze weltweit – über 530.000 Kilometer Leitungen sichern täglich die Versorgung von über 99 Prozent der Bevölkerung. Die Wasserverluste im deutschen Leitungsnetz liegen mit rund sechs Prozent im europäischen Vergleich sehr niedrig. Diese Leistung ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Substanz- und Werterhalts. Basis dafür sind Betriebssicherheit, Hygiene und Qualitätsrichtlinien nach klaren technischen Standards, dem DVGW-Regelwerk. Es bildet das Rückgrat eines verlässlichen Erhaltungsmanagements. Um diese Daseinsvorsorge auch in Zukunft resilient zu halten, müssen jedoch weitere Herausforderungen gemeistert werden.
Durch die aktuell sehr präsente Gefahr physischer und digitaler Angriffe erhält die zivile Sicherheit einen noch höheren Stellenwert – auch für die Wasserinfrastruktur. Die aktuelle Lage erfordert eine vorausschauende Vorbereitung. Der DVGW empfiehlt seinen Mitgliedsunternehmen, vorbereitende Maßnahmen auf Basis bestehender Gesetze und technischer Regeln in ihre strategische Planung aufzunehmen und interne Prozesse daraufhin zu überprüfen.
Auf die Herausforderungen des Klimawandels stellt sich die Wasserwirtschaft seit längerem ein. Auch wenn Deutschland im Mittel wasserreich ist, nehmen Extremwetter und regional-saisonale Engpässe zu. Sie erfordern lokal bis überregional angelegte Anpassungsstrategien. Die Forschungsprojekte des Zukunftsprogramms Wasser, darunter zum Beispiel „ResilJetzt!“, liefern Versorgungsunternehmen praxisnahe Hilfestellungen zur Umsetzung von Resilienzoptionen: von der Erhöhung der Ressourcenverfügbarkeit über Versorgungsverbünde und Fernwasserkonzepte bis hin zum Ausbau von Speicherkapazitäten und angepassten rechtlichen Instrumenten. Netze und Anlagen müssen zugleich erhalten, umgebaut und digital vernetzt werden, um Versorgungssicherheit und Qualität auch bei veränderten Rohwasserbedingungen zu gewährleisten. Das umfasst eine systematische Risikoanalyse, vorausschauende Instandhaltungsplanung, datengetriebene Betriebsführung sowie Investitionen in Redundanzen und Speicher.
Aber auch die Finanzierung muss gesichert sein: Die gemeinsame Pilotstudie von DVGW und BDEW beziffert klimainduzierte Investitionen in der Wasserversorgung in den nächsten zehn Jahren auf zusätzlich 3,2 bis 13,5 Milliarden Euro – primär für Resilienzmaßnahmen, Hochwasser- und Trinkwasserschutz. Diese Mittel sind kein „Nice to have“, sondern Voraussetzung dafür, dass Alt und Neu zusammen funktionieren. Denn „Alt und Neu“ ist kein Gegensatz, sondern das Prinzip einer belastbaren Daseinsvorsorge. Die DVGW‑Handlungsagenda und das Regelwerk geben den Kurs vor. Wenn wir diesen Weg konsequent gehen, bleibt Trinkwasser in Deutschland verlässlich, bezahlbar und sicher – auch unter veränderten Rahmenbedingungen.