08.11.2016

Wasserwirtschaft fordert: Nitratbelastung des Grundwassers reduzieren

DVGW zur Eröffnung der wat 2016 in Essen
Presseinformation, 08.11.2016
DVGW-Presseinformation vom 08. November 2016

Der DVGW hat gemeinsam mit BDEW und VKU im Sommer dieses Jahres den Startschuss für die „Grundwasserdatenbank Nitrat“ gegeben. Diese ermöglicht einen bundesweiten Überblick über die Belastungssituation der Trinkwasserressourcen mit Nitrat. „Mit der Datenbank gehen wir neue Wege, um die Nitratflut zu stoppen. Die Datenbank wird das Engagement der Branche unterstützen, endlich zu Lösungen im Düngerecht zu kommen, die das Grundwasser dauerhaft schützen sollen“, sagte heute Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW, im Rahmen des Pressegesprächs zur Eröffnung der 70. Wasserfachlichen Aussprachetagung (wat 2016) in Essen. Die ersten Ergebnisse sollen am Tag des Wassers am 22. März 2017 vorgestellt werden.

Mit den bisherigen Schutzprogrammen sei es nicht gelungen, die unvermindert hohe Nitratbelastung durch zu viel Dünger im Grundwasser zu reduzieren. Die intensive Landbewirtschaftung der vergangenen 60 Jahre mit hohem Einsatz an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und intensiver Massentierhaltung habe zu massiven Umweltbelastungen geführt, die zunehmend die Trinkwasserressourcen bedrohten.

Einige Verbesserungen beim vorsorgenden Gewässerschutz zeichneten sich mit der Novellierung der Grundwasserverordnung ab. An zentralen Stellen halte der DVGW jedoch eine Schärfung und Ergänzung der getroffenen Regelungen für erforderlich: „Insbesondere der Schwellenwert für pflanzenschutzrechtlich nicht relevante Metaboliten sollte grundsätzlich bei 1 Mikrogramm pro Liter liegen. Nur dann kann ein vorsorgender Grundwasser- und Trinkwasserschutz erzielt werden“, so Linke. An fast jeder zweiten der bundesweit über 8.000 ausgewerteten Messstellen ließen sich pflanzenschutzrechtlich nicht relevante Metaboliten nachweisen. An jeder zehnten Messstelle sogar in Konzentrationen über 1 Mikrogramm pro Liter und damit im Bereich der gesundheitlichen Orientierungswerte beziehungsweise sogar darüber.

Darüber hinaus stehen für den DVGW Maßnahmen zur Erhöhung der IT-Sicherheit in der Branche im Zuge der zunehmenden Digitalisierung der Wasserversorgung im Fokus. „Wir begrüßen die im Mai in Kraft getretene Verordnung zur Bestimmung Kritischer Infrastrukturen nach dem BSI-Gesetz. Die darin vorgenommene Differenzierung und die damit verbundenen Regelungen für die Wasserversorgung halten wir grundsätzlich für geeignet“, betonte Linke.

Der DVGW hat den Entwurf eines branchenspezifischen IT-Sicherheitsstandards gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) erarbeitet. In Kürze wird er beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur formellen Anerkennung eingereicht. „Die Wasserwirtschaft ist die erste Branche, die einen IT-Sicherheitsstandard erarbeitet hat, der vom BSI als reif für die formelle gesetzlich geforderte Anerkennung angesehen wird. Das BSI bewertet den IT-Sicherheitsstandard Wasser/Abwasser deshalb als Pilotprojet für andere Branchen“, bekräftigte Linke.

Kernstück ist der sogenannte IT-Sicherheits-Leitfaden, eine EDV-gestützte Anwendung, mit dem Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmen die sicherheitstechnischen Schwachstellen ihrer IT-Infrastruktur identifizieren können. Darauf aufbauend erhalten sie einen Maßnahmenkatalog mit geeigneten Schutzmaßnahmen, der sich an den BSI-Grundschutz anlehnt. Der IT-Sicherheits-Leitfaden und das dazugehörige DVGW-Regelwerk W 1060 werden voraussichtlich im März 2017 erscheinen. Die DVGW CERT GmbH plant, ab Sommer 2017 die Zertifizierung des Branchenstandards anzubieten.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist die vom DVGW gemeinsam mit den Branchenverbänden BDEW und VKU angestrebte Modernisierung des Benchmarkings mit dem Ziel, vergleichbare Kennzahlen-Ergebnisse aus verschiedenen Landesprojekten zu gewinnen. Zugleich sollten die den Kartellbehörden zugrunde liegenden Methoden weiterentwickelt werden. Die kürzlich erschienenen DVGWRegelwerke W 1100-2 und W 1100-3 schlagen ein integriertes Kennzahlensystem für die deutsche Wasserversorgung vor. „Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Wichtig ist nun, dass mehr und mehr Wasserversorger mitziehen. Wir rufen daher unsere Mitglieder dazu auf, sich engagiert und regelmäßig an freiwilligen Leistungsvergleichen zu beteiligen. Unser Ziel ist, die Beteiligungsquote an Benchmarking-Projekten in Bezug auf die versorgten Einwohner kontinuierlich zu steigern. Damit wollen wir eine höhere Vergleichbarkeit der Ergebnisse auf Bundesebene erzielen“, appellierte Linke an die Branchenvertreter. Es sei weiterhin das Ziel, Politik und Öffentlichkeit transparent und umfassend zu informieren.

Ansprechpartner
Bei Fragen zur Presseinformation wenden Sie sich bitte an Daniel Wosnitzka
Daniel Wosnitzka
Hauptgeschäftsstelle - Büro Berlin

Telefon+49 30 7947 36-64
Fax+49 30 7947 36-69