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09. April 2019

Mehr Wasserstoff technisch sicher verankern

DVGW-Regeln für klimafreundliche Energieinfrastruktur
Wasserstoffmoleküle; © iStock.com/smirkdingo
DVGW-Presseinformation vom 09. April 2019

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) hat das Startsignal gegeben für die gebündelte und umfassende Weiterentwicklung technischer Regeln für Erzeugung, Einspeisung, Beimischung, Transport, Verteilung und Speicherung von Wasserstoff in der Erdgas-Infrastruktur. Ziel ist es, die bestehende Gasinfrastruktur für eine schrittweise Erhöhung des Wasserstoffanteils in einem klimafreundlichen Energiesystem fit zu machen. Denn Wasserstoff hat den erheblichen Vorteil, dass bei seiner energetischen Nutzung keine CO2-Emissionen entstehen. Zudem lässt er sich erneuerbar herstellen und kann in Industrie, Wärmeversorgung und Mobilität vielseitig genutzt werden. „Die Regelwerks-Weiterentwicklung schafft in der Praxis der Gasversorgung eine wichtige Voraussetzung, um den klimaschonenden Energieträger Wasserstoff technisch sicher in das vorhandene Leitungssystem zu integrieren“, sagt der DVGW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Gerald Linke zum Beginn der Regelsetzung.

Das künftige Regelwerk soll zunächst eine Zielgröße von etwa 20 Volumenprozent Wasserstoffeinspeisung anpeilen. Das bestehende DVGW-Regelwerk ermöglicht bereits heute überall dort, wo es keine Einschränkungen durch spezifische Anwendungen gibt, Beimischungen von knapp zehn Prozent in das vorhandene Gasnetz. Bis zum Jahr 2030 soll dieser Wert von zehn Prozent ohne Einschränkungen regelwerksseitig verbindlich gelten. Das Ziel liegt jedoch deutlich höher: „20 Prozent erscheinen uns nach heutigem Kenntnisstand technisch machbar. Wahrscheinlich können dann einige Netzteile sogar mehr. Doch wir müssen auch immer die Endanwendungen im Blick behalten“, so Gerald Linke. „Unabhängig davon glauben wir, zukünftig über das System in Summe mehr als 50 Prozent grüne Gase, wie z.B. Biomethan, zu transportieren“.

Steigende Wasserstoffanteile erfordern netz- und geräteseitige Anpassungen. Aufgrund der spezifischen Eigenschaften müssen bei höheren Wasserstoffbeimischungen z.B. andere Werkstoffe in Verdichtern, Heizkesseln oder Fahrzeugtanks zum Einsatz kommen. Wird Wasserstoff in einem weiteren Prozessschritt in synthetisches Methan umgewandelt, ist sogar eine unbegrenzte Beimischung ohne Geräteanpassung möglich. „Dennoch ist es absolut sinnvoll, die Erdgasinfrastrukturen zunächst auch für die Wasserstoffbeimischung zu öffnen und zu ertüchtigen. Dadurch werden weitere Umwandlungsverluste durch die Methanisierung vermieden und Effizienzen gesteigert“, bekräftigt Linke.

Der DVGW arbeitet bereits seit mehreren Jahren aktiv an der Ausrichtung des bestehenden Regelwerkes für Gasinfrastrukturen und Gasanwendungen auf höhere Wasserstoffanteile. Damit bald ein zukunftsweisendes System technischer Regeln für die gesamte Power-to-Gas-Prozesskette zur Verfügung steht, soll langfristig das bestehende Regelwerk gemeinsam mit dem Kooperationspartner DWV (Deutscher Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband) um ein neues für 100 Prozent Wasserstoff ergänzt werden. Hierfür werden die zukünftigen Forschungsergebnisse des DVGW und seiner Institute als Grundlage dienen.  

Gemeinsam mit der Politik entwickelt der DVGW die Gasinfrastruktur im Sinne der Energiewende und des Klimaschutzes weiter. Denn Deutschland verfügt über ein rund 530.000 Kilometer langes Gasnetz, das zusammen mit den Gasspeichern als Puffer Schwankungen der regenerativen Stromerzeugung ausgleichen kann. Über Power-to-Gas erzeugter Wasserstoff kann – mit einer entsprechenden Systemanpassung – direkt in die Gasnetze eingespeist und bedarfsgerecht in den verschiedenen Sektoren weiterverwendet werden. Er ist damit ein tragendes Element der zukünftigen „Zwei-Energieträger-Welt“.

Der DVGW besitzt auf jahrzehntelangen Erfahrungen basierende Kompetenzen im Bereich Forschung und Entwicklung sowie die Expertise zur regulativen Absicherung einer verlässlichen und modernen Infrastruktur. Als anerkannter Regelsetzer ermittelt der DVGW aktuellen Normungsbedarf und entwickelt das Regelwerk kontinuierlich weiter. In diesen transparenten Prozess lassen maßgebliche Fachkreise ihre Fachkenntnisse und Praxiserfahrungen einfließen. So ist eine Dynamik der Technischen Regeln gewährleistet, die eine Gasversorgung auf neuestem Stand garantiert.

Ihre Ansprechpartnerin
für Fragen zur Presseinformation
Sabine Wächter
Hauptgeschäftsstelle / Ordnungspolitik, Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon+49 228 91 88-609