25. Mai 2016

Institute empfehlen Einführung eines Klimaschutzfaktors im Wärmemarkt

Wie die Energieeinsparverordnung an den Klimazielen ausgerichtet werden kann
Presseinformation, 25.05.2016
DVGW-Presseinformation vom 25. Mai 2016

In einer vom Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS in Auftrag gegebenen Studie empfehlen drei führende Institute aus den Bereichen Umweltschutz und Gebäudetechnik die Einführung eines Klimaschutzfaktors in der Energieeinsparverordnung (EnEV). Damit soll die Einsparung von CO2-Emissionen ein zentraler Bestandteil der EnEV werden. Die EnEV ist das wichtigste Gesetzeswerk für die energetische Bewertung von Neu- und Bestandsbauten. Diese verfehlt in der aktuellen Form aber ihre Lenkungswirkung hin zu mehr Klimaschutz und Verbraucheraufklärung. Der vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) und dem Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG) vorgelegte Vorschlag soll diese Fehlentwicklung nun beheben. Mit der vorgeschlagenen Korrektur werden zudem die Anreize zu mehr Energieeffizienz erhöht.

Die Institute schlagen vor, zusätzlich zum so genannten Primärenergiefaktor einen CO2-Faktor einzuführen. Der Primärenergiefaktor als zentrales Steuerungselement der EnEV ist eine künstlich geschaffene Größe, die die Umwandlungseffizienz bei der Energiebereitstellung angibt. „Die bisherige Formel zur Berechnung der Primärenergiefaktoren ist nicht geeignet, Energieeffizienz und CO2-Emissionen transparent abzubilden. Dieser Fehler muss jetzt rasch korrigiert werden. Die Rahmenbedingungen müssen technologieoffen und energieträgerneutral gestaltet werden“, sagte der DVGW-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Gerald Linke.

Der CO2-Faktor erlaube eine realistischere Bewertung des Einflusses des Energieträgers auf das Klima. Dadurch würden weniger CO2-intensive Energieträger wie Erdgas bessergestellt als beispielsweise Kohle und Heizöl. Der zusätzliche Faktor könne laut den Instituten auch schrittweise eingeführt werden. Auf diese Weise könnten sich Verbraucher, Heizgerätehersteller und die Wohnungswirtschaft auf die veränderten Anforderungen einstellen. „Eine konsequente Ausrichtung am Klimaschutz ist nur möglich, wenn wir den tatsächlichen CO2-Ausstoß aller Heizsysteme und Energieträger berücksichtigen. Dieser Vorschlag ermöglicht genau das – für mehr Klimaschutz und für eine bessere Beratung der Verbraucher“, so Dr. Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft ERDGAS.

Eine erste im Februar 2016 vom Wuppertal Institut vorgelegte wissenschaftliche Studie bescheinigte dem Primärenergiefaktor bereits eine fehlende Lenkungswirkung in Richtung Klimaschutz. Besonders der stetig sinkende Primärenergiefaktor für Strom bereitet aus Klimasicht Sorgen. Zwar wird immer mehr erneuerbarer Strom eingespeist, durch den Atomausstieg wird aber auch deutlich mehr Kohle verstromt. Wer Strom zum Heizen nutzt, heizt also effektiv mit Kohle. Durch den vorgeschlagenen zusätzlichen CO2-Faktor wird eine technologieoffene Heizsystemauswahl für Verbraucher ermöglicht, sie werden nicht mehr in verhältnismäßig teure Heizsysteme gedrängt, deren Beitrag zum Klimaschutz nur auf einem rechnerisch günstigen Primärenergiefaktor beruht.

 

Download der Studie:

https://www.zukunft-erdgas.info/politischer-rahmen/studien/primaerenergiefaktoren

http://www.dvgw-innovation.de/die-projekte/archiv/primaerenergiefaktor/

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