Belastung des Grundwassers in Deutschland mit Nitrat

29. November 2017

Neue Düngegesetzgebung verfehlt ihr Ziel

DVGW zur Nitratbelastung der Trinkwasser-Ressourcen
Belastung des Grundwassers in Deutschland mit Nitrat; © DVGW
DVGW-Presseinformation vom 29. November 2017

Umwelt- und Gewässerschutz quo vadis? Diese Frage diskutieren Experten aus Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und chemischer Industrie heute auf der wat 2017 in Köln. Dabei geht es auch um die Nitratbelastung der Trinkwasserressourcen, die im Wesentlichen eine Folge zu hoher Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft sind. Die Europäische Kommission fordert von Deutschland seit Jahren grundlegende Anpassungen im landwirtschaftlichen Fachrecht. Die europäische Kommission hat daher im Herbst 2016 beim Europäischen Gerichtshof wegen unzureichender Umsetzung der europäischen Nitratrichtlinie Klage gegen Deutschland eingereicht.

Nach jahrelangem Tauziehen ist die Novellierung des Düngerechts seit Ende November 2017 endlich abgeschlossen. Das Ergebnis ist allerdings enttäuschend, von einer Trendwende kann keine Rede sein:

Zwar müssen ab dem 1. Januar 2018 viele große Betriebe die Zufuhr und Abfuhr von Stickstoff und Phosphor bilanzieren und die vorhandenen Stickstoffüberschüsse bewerten. Wie hoch die Überschüsse sein dürfen, orientiert sich aber nicht am Gewässerschutz, sondern an dem, was den Betrieben vermeintlich zugemutet werden kann. Vereinfacht gesagt: Je mehr Stickstoff in Form von Gülle, Jauche oder Gärresten auf einem Betrieb anfallen oder von ihm als Dünger verwendet werden, desto höhere Überschüsse werden ihm auch zugestanden. Hinzu kommen weitere Unzulänglichkeiten, zum Beispiel bei den Mindestkapazitäten für die Lagerung, den Obergrenzen für die organische Düngung oder den zusätzlichen Anforderungen an die Landwirtschaft in bereits stark nitratbelasteten Regionen. Damit ergibt sich ein ernüchterndes Fazit: Insbesondere in Intensivagrarregionen mit hoher Viehdichte kann das Nitratproblem mit dem neuen Düngerecht nicht gelöst werden.

Kurzfristig bleibt daher nur der Weg über Brüssel und den Europäischen Gerichtshof. Der DVGW erwartet, dass im Zuge des Gerichtsverfahrens noch substanzielle Weichenstellungen für den Gewässerschutz erfolgen.

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