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Emissionen in der Wasserversorgung

Um das gesamtgesellschaftliche Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, ist auch auch die Wasserwirtschaft gefordert ihren Beitrag zu leisten. Mit einheitlichen Standards lassen sich die direkten und indirekten Treibhausgasemissionen in der Wasserversorgung vollständig ermitteln.

Es ist ein wichtiges Ziel, den CO2-Fußabdruck zu reduzieren, der mit der Bereitstellung von Trinkwasser verbunden ist. Dies kann durch Maßnahmen wie die Nutzung erneuerbarer Energiequellen für die Wasseraufbereitung, die Reduzierung von Emissionen bei der Wassergewinnung und -verteilung sowie die Implementierung effizienter Technologien erreicht werden. Es ist ein wichtiger Schritt, um den Klimawandel zu bekämpfen und die Umweltauswirkungen der Wasserversorgung zu minimieren.

Spätestens mit dem politischen Bekenntnis zu den nationalen Klimazielen und dessen Erneuerung durch die Energieeffizienzstrategie 2050 (EffSTRA) sind der Umwelt- und Klimaschutz in Deutschland in den Fokus der Wirtschaft und des allgemeinen öffentlichen Interesses gerückt. Aufgrund des gestiegenen öffentlichen Interesses und einer ebenso hohen intrinsischen Motivation sehen sich auch Unternehmen der Wasserversorgung immer stärker veranlasst, sich intensiv mit den Themen Energieeinsparung, dem Ausbau erneuerbarer Energien, Erhöhung der Energieeffizienz und der Senkung schädlicher Treibhausgasemissionen bis hin zur Treibhausgasneutralität auseinanderzusetzen. Gleichzeitig muss dabei der Schutz der Trinkwasserressourcen sowie die Sicherheit der Wasserversorgung ohne Einschränkung sichergestellt bleiben.

Zu den weiteren Maßnahmen zur Erreichung von Klimaneutralität in der Wasserversorgung gehören die Optimierung des Wasserverbrauchs, die Förderung von Wassereffizienz in Industrie und Landwirtschaft, die Wiederverwendung von Abwasser sowie die Implementierung von naturnahen Lösungen zur Wasserrückhaltung und -reinigung. Durch eine ganzheitliche Herangehensweise können Wasserversorger dazu beitragen, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig eine nachhaltige und klimafreundliche Wasserversorgung zu gewährleisten.

Deutschlandweit wurden mit der Änderung des Klimaschutzgesetzes vom April 2021 die Ziele der Bundesregierung in Bezug auf die Emissionen von Treibhausgasen verschärft. Gegenüber dem Jahr 1990 soll bis 2030 eine Minderung der Treibhausgasemissionen um 65% erzielt werden, bis 2040 um 88%. Im Jahre 2045 soll die Netto-Treibhausgasneutralität, d.h. das Gleichgewicht zwischen THG-Emissionen und deren Abbau, erreicht werden. Ab 2050 ist das Ziel der negativen THG-Emissionen formuliert (BMUV 2021). Gemäß ihrer internationalen Verpflichtung erstellt die Bundesregierung jährlich einen Klimaschutzbericht über die verursachten THG-Emissionen, aufgeteilt in sieben Sektoren. Während im Sektor Abfallwirtschaft die Abwasserbehandlung berücksichtigt wird, ist die Trinkwasserversorgung bei der Erstellung des Klimaschutzberichtes nicht explizit berücksichtigt (Umweltbundesamt 2023).

Im Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) ist die Umsetzung der europäischen Richtlinie EU ETS in Deutschland geregelt. Zweck dieses Gesetzes ist es, für Tätigkeiten, durch die in besonderem Maße Treibhausgase emittiert werden (z. B. Großindustrie, Energiewirtschaft, Luftverkehr), die Grundlagen für den Handel mit Berechtigungen zur Emission von Treibhausgasen (THG) in einem gemeinschaftsweiten Emissionshandelssystem zu schaffen. Für die Wasserwirtschaft ist eine Kompensation von THG-Emissionen nicht verpflichtend. Bislang werden Bilanzen und Strategien auf freiwilliger Basis erstellt und verfolgen das Ziel, die eigene Klimabilanz zu verbessern. Nur eine sehr geringe Anzahl der rund 6000 Wasserversorgungsunternehmen in Deutschland hat bisher eine Treibhausgasneutralitätsstrategie für das Unternehmen erstellt. Zudem ist ein einheitlicher Ansatz zur Bilanzierung und Deklaration von Treibhausgasneutralität bisher nicht gegeben, sodass unterschiedliche Wasserversorgungsunternehmen den Begriff klimaneutral teils auch sehr unterschiedlich interpretieren oder zumindest in ihrer Außenkommunikation abweichend verwenden.

Je nach Unternehmensgröße tritt ab dem Jahre 2025 bzw. 2026 für Unternehmen eine Berichtspflicht im Rahmen der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in Kraft, womit die Berichterstattung über Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil des Lageberichts im Jahresabschluss und damit auch prüfpflichtig wird. 

Im April 2023 wurde zudem das Energieeffizienzgesetz (EnEfG), welches die Energieeffizienzrichtlinie der EU ins nationale Recht überführt, durch das Bundeskabinett verabschiedet. Dieses Gesetz verpflichtet Unternehmen mit einem Energieverbrauch von mehr als 7,5 GWh u.a. dazu, ein Energie- oder Umweltmanagementsystem (ISO 50001 oder EMAS) einzuführen.

Insgesamt ist die Erfassung und das Management der Klimawirkung von Unternehmen noch nicht einheitlich geregelt. Für viele kleine und mittelständische Unternehmen der Wasserversorgung wird eine solche aktive Auseinandersetzung mit dem Thema weiterhin auf Freiwilligkeit beruhen. Eine externe Prüfung durch eine unabhängige Stelle ist derzeit ebenfalls noch keine Pflicht, sie erhöht allerdings die Glaubwürdigkeit von THG-Bilanzen. 

Das neuerscheinende Merkblatt DVGW W 1006 dient als Grundlage für die einheitliche Bilanzierung von Treibhausgasemissionen in der Wasserversorgung. Es dient als Leitfaden für die einheitliche Berechnung und Bilanzierung der direkten und indirekten Emissionen nach Scope 1, 2 und 3 (GHG). Es werden Methoden und Maßnahmen benannt. Das Merkblatt enthält eine Zusammenstellung der erforderlichen Wissensgrundlagen zur Entwicklung einer branchenspezifisch einheitlichen Vorgehensweise zur vollständigen, kennzahlenbasierten Ermittlung der Emissionen der Wasserversorgung. Im Anhang ist die Bilanzierung eines beispielhaften Wasserversorgers dargestellt. Im Online-Regelwerk (DVGW Regelwerkverzeichnis (dvgw-regelwerk.de)) kann mit erscheinen des Regelwerks ein Musterformular abgerufen werden.

LINK MERKBLATT

Langfristig ist geplant ein FAQ zum Thema Klimaneutralität zu erstellen. Senden Sie uns gerne Ihre Fragen in Bezug auf die Thematik und das Regelwerk. In regelmäßigen Abständen wird der Projektkreis des Merkblatts die Fragen beantworten und anschließend auf diese Website stellen.

Ansprechpartnerin
Johanna Kreienborg
Hauptgeschäftsstelle / Wasserversorgung
Telefon+49 228 9188-854