Belastung der Trinkwasserressourcen durch Nitrat und Pflanzenschutzmittel

Nitrat aus der intensiven Landwirtschaft belastet vielerorts die Trinkwasserressourcen – vor allem durch die Verwendung von stickstoffhaltigen Düngemitteln. Daneben können zunehmend Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässern und im Grundwasser nachgewiesen werden.
Landwirtschaft und Trinkwasser; © Foto: DVGW, Gelsenwasser
Der DVGW setzt sich für den Schutz der Trinkwasserressourcen ein
Wasserschutzgebiet für sauberes Grundwasser; © Copyright DVGW

Für eine sichere und nachhaltige Trinkwasserversorgung kommt der Grundwasserqualität eine besondere Bedeutung zu.  Vor allem Grundwasservorkommen unter landwirtschaftlich genutzten Flächen können mit Schadstoffen belastet sein. Denn letztendlich gilt: Das, was in der Landwirtschaft auf den Feldern verteilt wird, kommt irgendwann im Grundwasser an.

Viele Schadstoffe werden durch unterschiedliche Lehmschichten herausgefiltert. Nitrat, Stickstoff und Pestizide lassen sich jedoch kaum durch Böden binden: In manchen Regionen kann es zwar ein Jahrhundert dauern, bis sie ins Grundwasser gelangen, in anderen benötigen die Schadstoffe dafür aber nur fünf Jahre.

Grundwasser ist unverzichtbare Lebensgrundlage
Grundwasser ist unverzichtbare Lebensgrundlage; © Copyright DVGW

Eine Belastung der Trinkwasserressourcen ist bei vielen Wasserversorgern ein jahrzehntealtes Problem. Der DVGW weist bereits seit einigen Jahren darauf hin, dass die europäischen Vorgaben von maximal 50 mg/l Nitrat im Grundwasser vielerorts nicht eingehalten werden. Beim Blick auf die Zahlen wird der wirtschaftliche Nutzungskonflikt zwischen Wasser- und Landwirtschaft sehr deutlich: Über 74% des Trinkwassers in Deutschland wird aus dem Grundwasser entnommen.

Hier knüpft der DVGW in seiner fachpolitischen Arbeit an. Da die Probleme und Ursachen bekannt sind, wird an der Umsetzung von möglichen Lösungsansätzen gearbeitet – mit begleitender Forschung, Fachinformationen, Kooperationen mit anderen Institutionen und durch die Unterstützung grundwasserschonender Bodennutzung.

Wie wird der DVGW zum Thema Nitrat aktiv?
Mit unterschiedlichen Maßnahmen setzt sich der DVGW seit vielen Jahrzehnten für die Reinheit des Trinkwassers ein. Die folgende Übersicht stellt einen kleinen Ausschnitt aller Aktivitäten rund um die Themen Nitrat, Pestizide und vorsorgenden Gewässerschutz dar.

In Gremien mit Fachleuten aus allen Bereichen des Wasserfachs erarbeitet der DVGW das sogenannte Regelwerk. Hierbei handelt es sich um eine Sammlung von Festlegungen, die den allgemeinen Stand der Technik im Wasserfach definieren. Sie richten sich an alle, die mit (Trink-)Wasser aktiv zu tun haben – also Wasserversorger, Installateure oder Hersteller von Materialien und Gegenständen, die mit Wasser in Kontakt kommen. Allein 25 dieser Festlegungen beschäftigen sich mittel- oder unmittelbar mit Nitrat.

Der DVGW engagiert sich in der Forschung – unter anderem mit eigenen Forschungsinstituten oder durch die Unterstützung von Forschungsvorhaben. Die Ergebnisse aus Gremienarbeit und Forschung werden unmittelbar an die Akteure in Form von Schulungen und Fortbildungen weitergegeben.

Der DVGW stellt seine Expertise auch den politischen Entscheidungsträgern im In- und Ausland zur Verfügung. Um eine solide Grundlage für politische Debatten zu bieten, hat der Verein eine bundesweite Rohwasserdatenbank mit Daten der Wasserversorger aufgebaut.

Der DVGW sucht das Gespräch mit allen Seiten, so auch mit Vertretern der Landwirtschaft oder dem Sachverständigenrat für Umweltfragen SRU. In Stellungnahmen zu Verordnungen und Gesetzen tritt er für die Reinhaltung des Trinkwassers und den Gewässerschutz ein.

Mit anderen Verbänden der Wasser- und Abwasserwirtschaft sensibilisiert der DVGW auch international für die Probleme mit Nitrat, wie etwa bei der Übergabe der englischen Fassung des Branchenbildes in Brüssel.

Eine wichtige Aufgabe des DVGW ist die Anregung von zielführenden Diskussionen im Gas- und Wasserfach. Im November 2016 richtet der DVGW den größten Fachkongress im Wasserfach aus, die wat 2016. Im Zentrum wird die Beschäftigung mit dem Problem Nitrat unter dem Stichwort "Ressourcenschutz und -management" sein.