Pestizide: Vorsorgender Gewässerschutz

In Kooperation mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und anderen Institutionen hat der DVGW Kriterien zur Meldung von Rückständen von Pestiziden im Grund- und Rohwasser erarbeitet. In einem Positionspapier erklärt der DVGW wie Gewässerschutz und chemischer Pflanzenschutz zu vereinbaren sind.
Gewässerschutz und Pestizide; © Foto: CC0-Lizenz
Gewässerschutz und chemischer Pflanzenschutz

Einträge von Pflanzenschutzmitteln vermeiden

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, es kann durch nichts ersetzt werden. Unsere Gewässer sind ein wesentlicher Bestandteil des Naturhaushaltes. Sie müssen so geschützt und behandelt werden, dass der bestmögliche ökologische und chemische Zustand erreicht oder erhalten wird (EU-WRRL, 2000).

Der chemische Pflanzenschutz hat unter dem Aspekt einer gesicherten und wirtschaftlichen Nahrungsmittelversorgung eine gesellschaftlich anerkannte Berechtigung. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind in Gewässern unerwünscht und werden trotz strenger Zulassungsvorschriften nach wie vor in Grund- und Oberflächengewässern sowie im Rohwasser nachgewiesen. Deshalb ist der Eintrag von Pflanzenschutzmitteln oder deren Abbauprodukte in die Gewässer zu vermeiden.

Bekanntmachungen, Meldungen und Maßnahmen zum Thema Gewässerschutz und Pestizide
Erhalten Sie einen Überblick zu den Initiativen des Gesetzgebers, des DVGW und seinen Partnern, die im Rahmen des vorsorgenden Gewässerschutzes unternommen werden.
Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) I
Bekanntmachung zu Anwendungsbeschränkungen von Pflanzenschutzmitteln

Nicht relevante Metaboliten in Einzugsgebieten von Trinkwassergewinnungsgebieten

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 12. Februar 2015 die „Bekanntmachung über Anwendungsbeschränkungen für bestimmte Pflanzenschutzmittel zum Schutz von Grundwasservorkommen, die zur Trinkwassergewinnung herangezogen werden (Ausführung der Anwendungsbestimmung NG301)“ veröffentlicht.

Darin werden erstmals die Anwendung chloridazonhaltiger Pflanzenschutzmittel in einem Wassereinzugsgebiet bzw. zwei Wasserschutzgebieten am Niederrhein verboten. Grundlage dieser Entscheidung ist der Befund des nicht relevanten Metaboliten Desphenyl-Chloridazon oberhalb von 10 µg/L in Vorfeldmessstellen sowie oberhalb von 3 µg/L in Brunnen zur Rohwasserentnahme verboten.

Seit September 2014 ist der DVGW gemeinsam mit dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und dem Verband kommunaler Unternehmen (VKU) mit dem BVL zu dieser Thematik im Gespräch. Anlässlich des Erörterungstermin im April 2015 hat man sich kooperativ für die Belange des vorsorgenden Gewässerschutzes in den Einzugsgebieten von Trinkwassergewinnungsanlagen eingesetzt.

Der DVGW begrüßt die Initiative des BVL ausdrücklich und diskutiert in seinen Gremien intensiv, wie diese Risikomanagementmaßnahme des BVL für eine bundesweite Anwendung weiter ausgestaltet werden kann.

Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) II
Vorsorgender Gewässerschutz

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit reagiert auf Pflanzenschutzmittel-Funde

Seit dem 4. Februar 2016 können Wasserversorgungsunternehmen bundesweit auffällige Befunde nicht relevanter Metaboliten im Rohwasser von Trinkwassereinzugsgebieten bzw. Wasserschutzgebieten melden. Mit dem Schreiben vom 4. Februar 2016 informierte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Wasserversorgungsunternehmen über die neu geschaffene Maßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität. 

Dieser Schritt ist ein wichtiger Beitrag für den vorsorgenden Gewässerschutz – besonders in den sensiblen Einzugsgebieten von Trinkwassergewinnungsanlagen. Ihm sind intensive Diskussionen mit dem BVL und Umweltbundesamt (UBA) vorausgegangen. Wir haben die Problematik gemeinsam mit den Kollegen vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erörtert.

Das Ergebnis sind Vorschläge zur inhaltlichen Ausgestaltung der Kriterien für das Meldeverfahren – nach vorangegangen Beratungen in den DVGW-Gremien. Grundlage für die Meldung ist die Detektion von Konzentrationen für mindestens einen nicht relevanten Metaboliten (nrM) eines PSM-Wirkstoffes (Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffes) im Grund-/Rohwasser, die folgende vier Kriterien erfüllen:

  • Überschreitungen von 3,0 μg/L in einer Rohwasserentnahmestelle und/oder von 10,0 μg/L in einer Vorfeldmessstelle in der Art, dass
  • in drei Messungen im Abstand von mindestens sechs Monaten innerhalb von drei Jahren Konzentrationen derselben Substanz oberhalb des Leitwertes detektiert wurden,
  • die jüngste der vorgelegten Probennahmen höchstens sechs Monate vor dem Zeitpunkt der Meldung liegt und
  • es wahrscheinlich ist, dass der Eintrag in das Grundwasser auf die sachgerechte und bestimmungsgemäße landwirtschaftliche Anwendung und nicht auf bauliche Mängel oder Defekte an der/den Rohwasserentnahmestelle/n bzw. Vorfeldmessstelle/n zurückzuführen ist und dass Probenahme, Probentransport sowie die analytische Bestimmung der Substanzen nach aktuellem Stand der Technik durchgeführt wurden.

Die genannten Kriterien sind nach Auskunft des BVL nicht abschließend und werden ggf. angepasst. Weitere Informationen stellt das BVL in Kürze auch auf seiner aktualisierten Webseite zur Verfügung.

Mit Blick auf die diesjährige Aktualisierung der BVL-Liste, d.h. Auflistung von Gebieten, die für die Anwendung eines PSM-Wirkstoffes ausgenommen werden, hat das BVL eine Rückmeldefrist bis 4. März 2016 festgelegt.

Sofern Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch machen möchten, füllen Sie dazu das im Downloadbereich hinterlegte Meldeformblatt sowie die Excel-Anlage elektronisch aus. Anschließend übersenden Sie bitte die Dateien samt Anlagen an die Abteilung Pflanzenschutzmittel des BVL unter 200(at)bvl.bund.de.

Später eingehende Meldungen werden für die Aktualisierung der Liste für das Jahr 2017 berücksichtigt. Über eine kurze Information an den DVGW-Bereich Wasser, Dr. C. Castell-Exner castell-exner(at)dvgw.de, würden wir uns freuen.

DVGW-Positionspapier zu Gewässerschutz und chemischer Pflanzenschutz

Im folgenden erhalten Sie die Möglichkeit, das DVGW-Positionspapier herunterzuladen:

DVGW zur Novellierung der Grundwasserverordnung

Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) begrüßt die in der Novellierung der Grundwasserverordnung vorgesehene Einführung eines Schwellenwerts für pflanzenschutzrechtlich nicht relevante Metaboliten. Bei diesen Metaboliten handelt es sich um Abbauprodukte der eigentlichen Wirkstoffe. Diese sind zwar aus Sicht des Pflanzenschutzes nicht mehr relevant, können aber aus Sicht des Gewässer- und Gesundheitsschutzes durchaus kritisch sein.

Der DVGW fordert daher in seiner Stellungnahme einen flächendeckend geltenden Schwellenwert von 1 Mikrogramm pro Liter entsprechend des in Deutschland bewährten Konzepts der gesundheitlichen Orientierungswerte. 

Aufgaben im Bereich Pflanzenschutzmittel – für Anwender
Fachseite des BVL zum Thema Leitwert-Überschreitungen
  • Anwendungsbeschränkungen für bestimmte Pflanzenschutzmittel
  • Informationen zum Schutz von Grundwasservorkommen
Zur Website des BVL
Kontaktieren Sie uns
Fragen und Anmerkungen zum Thema Pestizide können Sie uns per E-Mail oder telefonisch zukommen lassen.
Dr. Claudia Castell-Exner
Hauptgeschäftsstelle / Wasserversorgung

Telefon+49 228 91 88-650