08. September 2026
Die Kooperation zwischen Deutschland und Norwegen bei der aktuellen Energieversorgung ist ein zentraler Pfeiler der Versorgungsicherheit unseres Landes. Insgesamt hat die Bundesrepublik 2025 Gas im Umfang von 1.031 Terawattstunden (TWh) importiert (Quelle: Bundesnetzagentur). Norwegen ist der mit Abstand größte Lieferant (44 Prozent), gefolgt von den Niederlanden (24 Prozent) und Belgien (21 Prozent).
Zukünftige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Norwegen bei der Energiewende
Norwegen ist nicht nur in der aktuellen Situation größter Energielieferant Deutschlands, sondern auch ein wichtiger Partner bei der Umsetzung der Energiewende. So arbeitet die deutsche und norwegische Gaswirtschaft beim Aufbau einer CO2-Transport- und Speicherinfrastruktur ebenso zusammen, wie auch bei der Erzeugung von klimaneutralem Wasserstoff und bei der Transformation der Energieinfrastrukturen in der Nordsee. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt AquaDuctus, das den Aufbau einer Offshore-Wasserstoffinfrastruktur im GW-Maßstab in der Nordsee vorantreibt und perspektivisch Produktions- und Verbrauchszentren für Wasserstoff in Europa verbinden soll.
Wie bedeutend die Kooperation beider Länder im Transformationsprozess ist, hat Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. heute beim German-Norwegian Energy Dialogue 2026 in Oslo betont: “Auf dem Weg zur Klimaneutralität wird unsere Energieversorgung in puncto Kosten und Verfügbarkeit immer wieder unter Druck geraten. Langfristig ist ein Energiesystem, das auf Erneuerbaren und auf starken Partnern, wie Norwegen, beruht, für Deutschland in der Summe das günstigste und sicherste. Diese Zukunft müssen wir heute schon in konkreten gemeinsamen Projekten im Bereich der Erzeugung und Transports von Wasserstoff und CO2 vorbereiten.” Die Energiewende in Deutschland erfolgreich zu gestalten gelingt nur mit dem Zukunftsenergieträger Wasserstoff. Moleküle werden auch weiterhin unverzichtbar für Energieversorgung und Dekarbonisierung bleiben.
Gasfüllstände zum Winter 2026/2027
In der aktuellen Diskussion um die Füllstände der Gasspeicher mit Blick auf den bevorstehenden Winter sind die Importe von zentraler Bedeutung. „Die aktuellen Importmengen reichen noch nicht aus, um über die kalten Monate zu kommen. Deutschland muss jetzt seine Importmengen steigern. Die kritische Zielmarke ist der 1. November. Bis dahin müssen die Speicher bis zu 70 Prozent gefüllt sein“, fordert DVGW-Chef Linke. Zugleich weist er darauf hin, dass Deutschland, anders als etwa vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem aktuellen Konflikt um die Straße von Hormus, mittlerweile einen viel höheren Anteil an Gasimporten aus Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) bezieht und dadurch deutlich resilienter als in den letzten Jahren ist.
Rechnerisch wird die Zielmarke der Einspeicherungen dann unterschritten, wenn mit der gleichen durchschnittlichen Einspeiseraten von 0,499 Terawattstunden pro Tag (TWh/d) – so wie in den letzten 4 Wochen – eingespeichert würde. Eine durchschnittliche Speicherrate von 1,0 TWh/d ist ab Mitte September 2026, eine durchschnittliche Speicherrate von 1,25 TWh/d ab Ende September notwendig, um die gesetzliche Füllstandmarke von 70 Prozent zu erreichen. Ein positiver Indikator ist, dass die Einspeicherrate zuletzt zugenommen hat. So beträgt der Füllstand aktueller Einspeicherungen 52,6 Prozent (Stand: 29.08.2026). Das ist eine Veränderung um plus 1,1 Prozent (25.08.2026).
Die Versorgungssicherheit im Erdgasmarkt kann künftig nur durch ein ausgewogenes Zusammenspiel aus diversifizierten Importen, leistungsfähigen Netzen und verlässlich gefüllten Gasspeichern gewährleistet werden, da LNG allein die erforderliche Flexibilität nicht bereitstellt.
Der DVGW lobt in diesem Zusammenhang den Vorschlag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, eine nationale Speicherreserve (“Strategische Reserve”) von ca. 10 Prozent der Füllstandsmenge (24 TWh) einzuführen. Diese Maßnahme könnte allerdings erst im Gaswirtschaftsjahr 2027/2028 ihre Wirkung entfalten. Insgesamt kommt es in den nächsten Wochen nun darauf an, die tagesaktuellen Füllstände genau im Blick zu haben, um ggf. kurzfristig politisch-regulative Anreize auf den Weg bringen zu können. Der DVGW ist dazu mit weiteren Verbänden im Austausch.
Informationen zur Veranstaltung in Oslo am 8. September 2026
Tagesaktuelle Füllstände der unterirdischen Gasspeicher für Deutschland und eine Reichweitenprognose bis Frühjahr 2027.
Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 12. Januar 2026
Projekt zum Aufbau einer Offshore-Wasserstoffinfrastruktur im GW-Maßstab in der Nordsee