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Arbeitskreis (AK) Bodenkorrosion

© DVGW-LG MD
Was macht der Arbeitskreis?

Der Arbeitskreis versteht sich als Plattform des Erfahrungsaustausches von Fachleuten, die Verantwortung auf dem Gebiet des kathodischen Korrosionsschutzes (KKS) von Gas- und Trinkwasserleitungen tragen. Zu seinen Themen zählen die Errichtung und der Betrieb von Anlagen des passiven Korrosionsschutzes an Stahl-Rohrleitungssystemen im Bereich der Gas- und Wasserversorgung, des aktiven Korrosionsschutzes auf Anlagen und erdverlegten Gashochdruckleitungen, die Auswirkungen externer Streustromquellen auf Pipelinenetze, sowie der Einsatz von IT-basierten Messdatenerfassungs- und Übertragungssysteme zur Zustandsbewertung der Rohrleitungsnetze. Die Mitglieder des Arbeitskreises setzen sich vorwiegend aus Mitarbeitern von Gas- und Wasserversorgungsunternehmen zusammen, die eigene Versorgungsnetze betreiben.

In den im Allgemeinen zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen wird über Änderungen des DVGW-Regelwerks sowie der gesetzlichen und berufsgenossenschaftlichen Rahmenbedingungen informiert und über deren rechtssichere und effektive Umsetzung diskutiert. Aktuelle Informationen werden aus dem fkks Fachverband Kathodischer Korrosionsschutz e.V. direkt in den Arbeitskreis berichtet.

Vorsitzender des Arbeitskreises:
Jochen Meerstein © Meerstein

Dipl.-Ing. (FH) Jochen Meerstein
ENSO NETZ GmbH, Dresden
Telefon: 0351 468-4247
E-Mail: jochen.meerstein(at)enso.de

Fünf Fragen an den Vorsitzenden Jochen Meerstein

(Mai 2020)

Der Kathodische Korrosionsschutz leistet einen wesentlichen Beitrag zur Verlängerung der Lebensdauer von Gas- und Wasserleitungen und damit auch generell zur Versorgungssicherheit. Welchen Beitrag zur Erfüllung dieser Aufgabe leistet dabei der AK Bodenkorrosion speziell in Mitteldeutschland? Welchen Mehrwert ziehen die Mitglieder des AK Bodenkorrosion aus der Mitgliedschaft für ihre tägliche Arbeit?
Der Arbeitskreis kann auf eine langjährige Gremienarbeit zurückgreifen und war seit jeher geprägt vom Erfahrungsaustausch der einzelnen Versorgungsunternehmen / Dienstleister untereinander. Die hier gesammelten Erfahrungen und Erkenntnisse und daraus resultierenden Zielstellungen für die Weiterentwicklung des KKS waren und sind Bausteine für die Entwicklung, Erneuerung und Vervollkommnung der Mess- und Gerätetechnik, für Schutzverfahren und Monitoring von Messwerten, für Zustandsbewertungen und Instandhaltungsstrategien von Rohrleitungssystemen und der Regelwerksarbeit.

Die Bündelung der hohen Fachkompetenz im AK ermöglicht es darüber hinaus Aufgabenstellungen und Entwicklungen von neuer Gerätetechnik anzustoßen und einzuführen.

Die Digitalisierung ist natürlich auch im KKS ein Thema, es werden neue IT-basierte Messdatenerfassungs- und Übertragungssysteme eingeführt, die für die Zustandsbewertung der Rohrleitungsanlagen in den einzelnen Versorgungsunternehmen maßgebliche Erkenntnisse liefern.

Welche Stellung wünschen Sie dem Thema „Kathodischer Korrosionsschutz“ generell in den Unternehmen der mitteldeutschen Versorgungswirtschaft? Unterstützt Ihr Unternehmen Sie in Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?
Der Kathodische Korrosionsschutz (KKS) ist seit vielen Jahren in der Gaswirtschaft fest verankert.

Die hierfür auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene geschaffenen gesetzlichen Grundlagen und technischen Regeln sind ein ausreichendes Fundament für die Errichtung und den Betrieb von Leitungssystemen in der Gas-Versorgungswirtschaft.

Der KKS ist aber nicht nur ein System zum Schutz von Stahlrohrleitungen gegen Außenkorrosion und damit auch ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt für die Erhaltung der Versorgungszuverlässigkeit der Netze, sondern er ist heute auch ein Überwachungssystem, das zu jeder Zeit Informationen über wichtige Rohrleitungsparameter liefern kann. Das gilt natürlich nicht nur für Fernleitungs- und Regionalnetzbetreiber, sondern eben auch für kleinere Versorgungsnetze der Gas-und Wasserwirtschaft, wie z.B. bei Stadtwerken. Hier sehe ich für die Zukunft noch reichlich Potential bei der Implementierung des KKS auf diesen Netzsystemen.

Welche technischen Fragestellungen werden im AK Bodenkorrosion vorrangig behandelt? Gibt es spezifisch „mitteldeutsche“ Themen ?
Die Themenschwerpunkte im Arbeitskreis sind sehr breit aufgestellt, stellvertretend möchte ich hier einige nennen:

  • Passiver Korrosionsschutz an Stahl-Rohrleitungssystemen (Gas/Wasser)
  • KKS - Messungen / Messtechnische Überwachung während der Bauphase / Auswertungen
  • KKS-DFÜ Umstellung auf neue Kommunikationswege / Neueinrichtung KKS-Schutz
  • Positionserarbeitung zu Normen und Regelwerken
  • Auswirkungen externer Streustromquellen auf Pipelinenetze
  • Wartungsmessung an Leitungen mit AC-Maßnahmen und starken Potentialschwankungen
  • Erdverlegte Gashochdruckleitungen auf Anlagen, Aktiver Schutz durch KKS oder LKS
  • Kathodischer Korrosionsschutz auf Biogasanlagen

Ein großer Teil der Gas- und Wasserversorgungsnetze stammen noch aus einer Zeit wo TGL-DDR- und Fachbereichsstandards Grundlage waren und der Verbundkorrosionsschutz „Gesetz“ war. Die bei der Umstellung auf das DVGW-Regelwerk spezifisch ostdeutschen Belange waren und sind noch Gegenstand des Erfahrungsaustausches im AK.

Die ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzender eines Arbeitskreises der DVGW-Landesgruppe Mitteldeutschland fordert viel Zeit und Engagement neben dem Hauptberuf. Was motiviert Sie, diese Tätigkeit auszuüben?
Zeit ist ein kostbarer Faktor, aber diese Zeit dazu zu verwenden um Sachen voranzubringen die zukunftsorientiert ausgerichtet sind und den Versorgungsunternehmen wie auch dem DVGW, als regelsetzenden Verein, in der Aufgabenbewältigung fachlich zu unterstützen, den enormen Nutzen des KKS in Unternehmen zu tragen die noch keine aktive Schutzmaßnahmen realisiert haben und Aufbauhilfe zu leisten, ist eine lehr lohnenswerte Aufgabe und Motivation zugleich.

Gerade durch die aktive Mitwirkung der Mitglieder des AK, die frei von kommerziellen Gedanken geprägt sind, aber auch der Vorträge der eingeladenen Gastreferenten, ermöglicht es jeden von uns sich fachlich weiterzubilden. Hiervon profitiert nicht nur der Arbeitskreis, sondern auch die Versorgungsunternehmen, KKS-Dienstleister und Produktentwickler.

Neben der Arbeit – Bei welchen Tätigkeiten können Sie abschalten?
Da gibt es viele zu nennen, gerade jetzt zu Zeiten der Covid-19 Pandemie beschränken sich natürlich meine Freizeitaktivitäten. Aber es kommen ja wieder bessere Zeiten und da kann ich bei meinen Hobbys wie Tanzen (Latein und Standard), Wandern, Abfahrtslauf (in den Dolomiten), Radtouren in Deutschland, Österreich, Italien,  …  gut „abschalten“.

Herr Meerstein, wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit.

10.-11. März 2020: Fachexkursion EUGAL-Pipeline
Die Teilnehmer vor dem Microtunnel © DVGW-LG MD

Auf Einladung der GASCADE Gastransport GmbH konnten die Arbeitskreismitglieder derzeit zwei im Bau befindliche Microtunnel-Projekte der EUGAL-Pipeline sowie die Verdichterstation Radeland 2 besichtigen.

Die Europäische Gas-Anbindungsleitung EUGAL stärkt verlässlich die deutsche und europäische Erdgasversorgung. Sie wird auf einer Länge von rund 480 Kilometern von der Ostsee durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg bis in den Süden Sachsens und von dort über die Grenze in die Tschechische Republik verlaufen.

Für die Mitglieder des AK ergab sich die einmalige Gelegenheit einen der Microtunnel zu begehen, durch den die EUGAL mehrere hundert Meter unter einem Naturschutzgebiet durchgeführt werden wird. Als Microtunneling bezeichnet man ein spezielles Verfahren für den grabenlosen Rohrvortrieb bei Neuverlegung in einer neuen Trasse. Von einem Startschacht wird mittels eines Vortriebsgerätes mit Presse und Bohrkopf ein neues Kunststoff-Kanalrohr wie z. B. aus GFK vorgetrieben. Nachdem der Startschacht ausgehoben wurde, wird ein fernbedienter Vortriebskopf auf der Pressstation, die am Startschachtboden installiert ist, abgelegt und in den umgebenden Erdboden hineingepresst.

Mehrere hundert Meter durch einen Tunnel gehen zu können, der mit Einzug der Gasleitung mit einer Nennweite von DN 1400 wieder unter der Erde verschwindet, war für die Mitglieder des AK Bodenkorrosion ein Erlebnis.

Am nächsten Tag stand eine Besichtigung der Verdichterstation Radeland 2 in Baruth/Mark auf dem Programm. Radeland liegt auf halber Strecke zwischen dem Anlandepunkt der Nord Stream in Lubmin an der Ostseeküste und dem Endpunkt an der deutsch-tschechischen Grenze bei Olbernhau/Brandov. Die GASCADE Gastransport GmbH ist der technische Betriebsführer. Die Verdichterstation, eine der größten und modernsten Anlagen in Westeuropa, verfügt über drei Gasturbinen mit einer Leistung von insgesamt etwa 96 Megawatt. Damit kann das Erdgas auf bis zu 100 bar verdichtet werden. Die Mitglieder des AK Bodenkorrosion konnten hier ausgiebig die Anlagen des katodischen Korrosionsschutzes auf dem Betriebsgelände besichtigen.

Der AK Bodenkorrosion dankt der GASCADE Gastransport GmbH für die Möglichkeit, dass diese einmalige Fachexkursion auf den verschiedenen Baufeldern der EUGAL durchgeführt werden konnte und bedankt sich vor allem bei Mirko Ewert und Dirk Krümmel, die beide das Unternehmen im Arbeitskreis vertreten für die hervorragende Vorbereitung und Durchführung dieser Fachexkursion.

Ansprechpartner in der Geschäftsstelle
Wenn Sie weitere Informationen zum Arbeitskreis wünschen oder Interesse an einer Mitarbeit haben, rufen Sie einfach an oder schreiben Sie eine E-Mail.
Peter von Fircks
Landesgruppe Mitteldeutschland

Telefon+49 170 7365109‬