Meldung vom 19.05.2021

Das Übertragungsnetz in Deutschland steht in den nächsten Jahren durch die Energiewende vor großen Herausforderungen. Die zunehmende Integration von regenerativen Einspeiseanlagen sowohl an Land als auch auf offener See führen zu einer Umorientierung weg von verbrauchsnahen Großkraftwerken hin zu volatilen dezentralen Erzeugungsanlagen. In zunehmendem Maße muss deshalb im Norden durch Windkraftanlagen erzeugte Leistung in den Süden transportiert werden. Dieser Aufgabe ist das heutige Stromübertragungsnetz nicht gewachsen. Daher sind ein Ausbau und eine Optimierung des bestehenden Stromübertragungsnetzes erforderlich. Zum Teil sind hierzu bereits entsprechende Korridore identifiziert bzw. in der Planung.

In vielen Fällen handelt es sich um gemeinsam genutzte Korridore. Befinden sie sich zu dicht beieinander, könnte es sein, dass zwischen oberirdischen Übertragungsnetzen und unter der Erde liegende Rohrleitungen eine induktive Beeinflussung stattfindet. Welche Belange müssen berücksichtigt werden, und wer hat die Aufwendungen zu tragen? Eine kniffelige Frage, denn bei der Behandlung von Beeinflussungsfragen müssen Rohrleitungs-, Energie- und Bahnanlagen aufgrund ihrer außerordentlichen öffentlichen Bedeutung gleichrangig behandelt werden.

Aus diesem Grund wurde eine „Arbeitsgemeinschaft (AfK) Klärungsstelle“ eingerichtet. Die Klärungsstelle dient als Instrument, Rechtsstreitigkeiten über Fragen der Beeinflussung zu vermeiden. Lösungsvorschläge werden außergerichtlich und einvernehmlich auf der Grundlage der Gleichberechtigung erarbeitet. Damit trägt die Klärungsstelle zum Gelingen der Energiewende bei und bietet eine effiziente Plattform, um schnell und unkompliziert Konflikte zu vermeiden und zu lösen.

Die AfK Klärungsstelle besteht aus Repräsentanten der sog. „beeinflussenden Branchen“ (Hochspannungsverteilnetz; Höchstspannungsübertragungsnetz; Bahnstromanlagen) und der sog. „beeinflussten Branchen“ (Rohrleitungen der Chemischen Industrie, Rohrleitungen für Gas und Trinkwasser sowie Rohrleitungen für Raffinerieprodukte und Raffineriefeedstock, insbesondere Erdöl). Unter den Vertretern sind sowohl Experten zu Beeinflussungsfragen als auch Juristen. Die Klärungsstelle ist als Gremium innerhalb der Arbeitsgemeinschaft für Korrosionsfragen angesiedelt.

Mit der Verabschiedung der Geschäftsordnung der AfK Klärungsstelle ist nun am 6. Mai 2021 ihre Konstituierung abgeschlossen. Die Klärungsstelle kann ihre Aufgabe vollumfänglich wahrnehmen. Geschäftsführung, Sekretariat und Betreuung der Klärungsstelle werden durch die Hauptgeschäftsstelle des DVGW e. V. wahrgenommen.

Die Geschäftsordnung dient der Fortsetzung und Weiterentwicklung der langjährigen und bewährten Zusammenarbeit zwischen den Partnern innerhalb der Arbeitsgemeinschaft für Korrosionsfragen. Die Einrichtung der Klärungsstelle verdeutlicht erneut, wie wichtig die technische Selbstverwaltung innerhalb der Branche, aber auch branchenübergreifend ist.

Ansprechpartner
Peter Frenz
Hauptgeschäftsstelle / Wasserversorgung

Telefon+49 228 91 88-654