Die Modernisierung und Anpassung des Heizungsbestandes ist für die Energiewende von zentraler Bedeutung, denn rund 53 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf den Wärmemarkt. Heizen mit Wasserstoff und Biomethan statt Erdgas bietet eine sinnvolle Option für die Wärmeversorgung.
Eine klimaneutrale Wärmeversorgung ist wesentlich für die Energiewende.; © iStock/in4mal
Ein Großteil der in Wohngebäuden verbauten Heizungen in Deutschland ist älter als 15 Jahre. Fast die Hälfte muss in den kommenden Jahrzehnten altersbedingt ersetzt werden. Aber nicht nur das Alter ist ein Grund für den Wechsel eines Heizgerätes. Auch das von der Bundesregierung festgelegte Ziel der Klimaneutralität bis 2045 fordert die Senkung der Treibhausgase im Wärmesektor und den Wechsel von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern.
Beim Wechsel des Energieträgers oder der Heizung sind verschiedene Faktoren zu beachten: Neben finanziellen Aspekten sind auch gesetzliche Vorgaben entscheidend bei der Wahl der Wärmeversorgungslösung. Letztere haben zum Ziel, den Austausch der fossilen Energieträger zu beschleunigen – im Sinne von Klimaschutz und Wärmewende. Hohe Anschaffungskosten und Unsicherheiten über zukünftige Heizkosten führen allerdings dazu, dass Investitionsentscheidungen im Wohneigentum schwer zu treffen sind und hinausgezögert werden.

Geht man bei den verbauten Geräten von einer Lebensdauer von etwa 20 bis 25 Jahren aus, muss in den kommenden zehn Jahren etwa ein Drittel ersetzt werden. Für den Heizungstausch stehen aktuell unterschiedliche Technologien zur Verfügung. Die Neuanschaffung ist jedoch in vielen Fällen mit einer hohen Anfangsinvestition verbunden.
Um die jeweils günstigste Option zu ermitteln, müssen sowohl Anschaffungs- als auch in der Zukunft liegende Kosten, wie etwa für Energieträger oder Wartungen, berücksichtigt werden. Je nach Baujahr und Zustand des Hauses kommen häufig noch Investitionen hinzu, die nur indirekt mit dem Tausch der Wärmeversorgungslösung zusammenhängen. Dazu gehören zum Beispiel aufwändige Sanierungsmaßnahmen, die notwendig sind, um eine Wärmepumpe optimal betreiben zu können. Mit der Sanierung geht wiederum eine Wertsteigerung der Immobilie einher.

Der Blick auf den aktuellen Heizungsbestand in Deutschland zeigt, dass sich unterschiedliche Wärmeversorgungslösungen im Markt etabliert haben. Aktuell wird ein Großteil der Wärme noch mit fossilen Energieträgern erzeugt.
Die Absatzzahlen der Jahresbilanz des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) zeigen, dass sich die Marktanteile verschieben: Der Absatz von Wärmepumpen stieg im Jahr 2025 um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während sich die Anzahl neu verkaufter Gas- und Ölheizungen stark reduzierte. Dies liegt unter anderem an steigenden CO2-Preisen und regulatorischen Anforderungen, die Betriebskosten erhöhen können, sowie der staatlichen Förderung beim Einbau von Wärmepumpen in Wohngebäuden.
Eine aktuelle Kurzstudie zu den Gesamtkosten verschiedener Wärmeversorgungslösungen vergleicht diese für exemplarische Ein- und Mehrfamilienhäuser in einem unterschiedlichen Sanierungszustand. Die Berechnungen wurden von Frontier Economics und der DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT im Auftrag des DVGW durchgeführt. Sie berücksichtigen die anfallenden Kosten sowohl für einen kurzfristigen Heizungswechsel im Jahr 2026 als auch für einen mittelfristigen Wechsel im Stichjahr 2035.
Die Studie vergleicht die Gesamtkosten von insgesamt fünf gas-, strom- und leitungsbasierten Arten der Wärmeversorgung von Ein- und Mehrfamilienhäusern: die Gasbrennwerttherme betrieben mit Erdgas, Biomethan und Wasserstoff, die Wärmepumpe sowie die Versorgung über Wärmenetze (Fernwärme). Ausgehend von der Verteilung der Baualtersklassen und der Effizienzklassen von Gebäuden in Deutschland wurden für die Bewertung Referenzgebäude ausgewählt, die sowohl Ein- als auch Mehrfamilienhäuser der Baujahre 1949 bis 1957 umfassen. Im Fokus der Betrachtung stehen Gebäude der mittleren und niedrigeren Effizienzklassen, da sie für die Wärmewende die größte Herausforderung darstellen. Neue und besonders effiziente Gebäude sind demgegenüber in der Regel deutlich einfacher zu dekarbonisieren, weil ihr Wärmebedarf geringer ist und klimafreundliche Heizlösungen dort meist leichter und kosteneffizienter eingesetzt werden können.




Die Analyse zeigt, dass die Kosten der Wärmeversorgung zukünftig steigen werden, unabhängig davon, welche Technologie oder welcher Energieträger gewählt werden.

Eine zentrale Rolle spielt der energetische Zustand des Gebäudes. Insbesondere der Sanierungsgrad hat großen Einfluss auf den Wärmebedarf und dadurch auf die Gesamtkosten – unabhängig von der Art der Wärmeversorgung. In gut sanierten Gebäuden mit geringerem spezifischem Wärmebedarf können Wärmepumpen wirtschaftliche Vorteile bieten. In weniger effizienten Bestandsgebäuden können hingegen andere Lösungen wie eine mit Biomethan betriebene Brennwerttherme kostengünstiger sein. Langfristig ist allerdings auch davon auszugehen, dass technologische Entwicklungen die Investitions- und Beschaffungskosten insbesondere bei Wärmepumpen weiter senken, was deren Wirtschaftlichkeit verbessern dürfte.

Bei den meisten Wärmeversorgungslösungen haben die Infrastrukturkosten und somit die Netzentgelte einen großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit und Attraktivität der jeweiligen Option. Die Netzentgelte können je nach Region und Netzentwicklung stark variieren. Die Gasinfrastruktur profitiert hierbei von einem bereits bestehenden und weitgehend ausgebauten Netz. Strom- und Fernwärmenetze müssen hingegen in vielen Regionen neu errichtet oder deutlich verstärkt werden, um zukünftige und saisonale Spitzenlasten bzw. Bedarfe der Wärmeerzeugung decken zu können. Kosten für den Infrastrukturausbau wirken sich wiederum auf die Höhe der Netzentgelte und Wärmekosten aus.

Darüber hinaus hängt die Auswahl einer geeigneten Wärmeversorgung davon ab, ob und zu welchen Preisen die jeweiligen Energieträger am Standort verfügbar sind. Die Kosten der Fernwärme sind beispielsweise stark standortabhängig und variieren erheblich in Abhängigkeit von Netzstruktur, Erzeugungsmix und Auslastung. Auch Biomethan kann insbesondere in Regionen mit hoher Biogaserzeugung und entsprechender Einspeiseinfrastruktur eine wettbewerbsfähige Option darstellen.

Bei Biomethan und grünem Wasserstoff werden die Kosten maßgeblich durch die (zukünftigen) Commodity-Preise bestimmt. Diese sind abhängig von Markt- und Technologieentwicklungen, sowie von regulatorischen und ökonomischen Rahmenbedingungen. Besonders beim Wasserstoff bestehen derzeit noch erhebliche Unsicherheiten, da sich der Markt- erst im Aufbau befindet. Gelingt jedoch der Markthochlauf und stellen sich Skaleneffekte ein, könnten die Produktions- und Bereitstellungskosten deutlich sinken und ein wettbewerbsfähiges Kostenniveau erreichen. Bei dieser Betrachtung sollten alle klimafreundlichen Erzeugungsarten für Wasserstoffs einfließen. Denn blauer Wasserstoff kann bereits heute günstiger erzeugt werden und gerade in der Hochlaufphase unterstützen.

Aktuelle regulatorische Entwicklungen könnten den Hochlauf von grünen Gasen und die Entwicklung von deren Verfügbarkeit und Preisen begünstigen. So sieht die Bundesregierung im Rahmen des Gebäudemodernisierungsgesetzes vor, ab 2028 eine verbindliche Grüngasquote einzuführen. Damit soll ein Mindestanteil klimafreundlicher Brennstoffe wie Biomethan oder Wasserstoff auf den Markt gebracht und die CO2-Emissionen der Wärmeversorgung sukzessive reduziert werden. Ab 2029 soll ergänzend die Bio-Treppe greifen, die bei einem Heizungstausch eine verpflichtende Nutzung von anfangs mindestens zehn Prozent klimafreundlicher Brennstoffe vorsieht. Dieser Anteil soll schrittweise auf 60 Prozent im Jahr 2040 ansteigen.
zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Gebäudeenergiegesetzes, des Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes und zur Änderung weiterer Vorschriften im Wärmebereich