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Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke und Vorstand Wasser, Dr. Wolf Merkel, beim Jahresauftakt-Pressegespräch des DVGW in Berlin.

22. Januar 2026

Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaresilienz sind Grundpfeiler in der Energie- und Wasserversorgung

Politische Forderungen des DVGW zum Jahresauftakt
Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gerald Linke und Vorstand Wasser, Dr. Wolf Merkel, beim Jahresauftakt-Pressegespräch des DVGW in Berlin.; © DVGW
  • Versorgungssicherheit und Schutz der Kritischen Infrastruktur als prioritäre politische Aufgabe
  • Kraftwerksstrategie: weitere Kapazitäten notwendig
  • Öffentliche Wasserversorgung braucht politischen Rückenwind – für mehr Resilienz gegenüber Klimawandel und neuen Sicherheitsrisiken
  • Das neue Düngegesetz muss das Nitratproblem wirksam angehen

Die Versorgungssicherheit mit bezahlbarer Energie muss im Zentrum aller wirtschaftspolitischen Vorhaben der Bundesregierung stehen. Nur wenn diese gewährleistet ist, gelingt es, die konjunkturelle und strukturelle Krise in Deutschland zu überwinden. Ausdrücklich begrüßt der DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. bei einem Pressegespräch zum Jahresauftakt gestern in Berlin, dass die Europäische Kommission und die Bundesregierung eine Einigung zur dringend notwendigen Kraftwerksstrategie erzielen konnten. „Diese überfällige Einigung jetzt zu Jahresbeginn ist ein wichtiges Signal für Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz auf europäischer und nationaler Ebene“, sagt Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW. Dass Gaskraftwerke einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten, unterstrich auch die CDU in ihrer Mainzer Erklärung vor wenigen Tagen. „Union und SPD müssen in diesem energiepolitisch entscheidenden Jahr den Worten nun auch konkrete Taten folgen lassen“, so Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW.

Kraftwerksstrategie: weitere Kapazitäten notwendig

Gaskraftwerk Irsching
Gaskraftwerk Irsching © Uniper

Der DVGW sieht in der Einigung zwischen Berlin und Brüssel auch ein klares Bekenntnis zur fortbestehenden Bedeutung des Energieträgers Erdgas für die sichere Gestaltung der Transformation hin zu einer emissionsfreien Klimaneutralität. Gaskraftwerke gleichen die volatile Stromerzeugung der Erneuerbaren Energien aus, sie gewährleisten im Gegensatz zu Batteriespeichern auch im Falle langanhaltender Dunkelflauten zuverlässig die Stromversorgung für Industrie, Mittelstand und den privaten Verbrauch. Zudem sparen Gaskraftwerke im Vergleich zu den noch immer dominierenden Kohlekraftwerken erheblich CO₂ ein.

Durch die EU-Vorgabe einer H₂-Readiness wird nun eine schrittweise Dekarbonisierung ermöglicht. Dass Gaskraftwerke, die perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden können, zum Bestandteil der Ausschreibungen gehören, ist eine richtige Entscheidung. Es ist notwendig, so der DVGW, dass die Bundesregierung zügig und noch in diesem Jahr die Auktionen für steuerbare Kapazitäten startet und den Betreibern des Wasserstoffkernnetzes so eine Perspektive für eine gesicherte Abnahme ermöglicht. Zu kritisieren ist hingegen, dass die nun vereinbarten 12 Gigawatt (GW) lediglich der bereits von der Ampelkoalition mit der EU-Ebene verhandelten Leistung entsprechen und hinter dem selbst gesteckten Ziel der Bundesregierung (mindestens 20 GW) zurückbleiben. Auch wurde durch den Neustart des Verfahrens unnötigerweise ein Jahr für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende verloren. Der DVGW fordert die Bundesregierung auf, schnell, zielgerichtet und unter Vermeidung bürokratischer Hemmnisse ihre Kraftwerksstrategie umzusetzen und weitere Kapazitätsplanungen auf den Weg zu bringen.

Wasserstoffhochlauf und Wärmemarkt: Infrastruktur und Mengen entscheiden über den Erfolg

Heizzentrale eines Neubaugebietes in Leipzig; vorn ein BHKW, dahinter ein Spitzenlastkessel und links ein Wärmespeicher
Heizzentrale eines Neubaugebietes in Leipzig; vorn ein BHKW, dahinter ein Spitzenlastkessel und links ein Wärmespeicher © ASUE / Th. Wencker

Deutschlands Anspruch muss es sein, beim Wasserstoffhochlauf weltweit eine technologische Spitzenposition einzunehmen. Dies sichert zum einen die inländische Versorgung mit klimaneutralen Gasen in der Zukunft und eröffnet andererseits Perspektiven für Transfer und Export von technologischem Wissen und von Hightech-Produkten, die eine auf Export ausgerichtete Volkswirtschaft, gerade in Zeiten wie diesen, so dringend benötigt. 

Gute Ansätze und Erfolge gibt es bereits: Kurz vor dem Jahreswechsel wurde in einem Flow-Projekt im Nordosten Deutschlands vom Gastransportnetzbetreiber Gascade ein 400 Kilometer langes Hauptversorgungssystem mit Wasserstoff gefüllt. Aktuell unterstützt der DVGW Indien bei der Erarbeitung eines Wasserstoff-Regelwerks. Im Rahmen der Indienreise des Bundeskanzlers Mitte Januar wurde eine Absichtserklärung zwischen der indischen Regulierungsbehörde für Erdöl und Erdgas und dem DVGW unterzeichnet. Damit setzt die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt auf das technische Knowhow und Regelwerk des DVGW.

Kritisch sieht der DVGW, dass die Bundesregierung im Zuge des Monitoringberichts zur Energiewende keine eigenen Mengenbedarfe zum Wasserstoff kommuniziert. Dagegen prognostiziert eine Expertenkommission einen erheblichen Bedarf von rund 300 bis 600 Terawattstunden (TWh) klimafreundlichem Wasserstoff, um die Klimaziele zu erreichen.  Gleichzeitig erwarten die Wissenschaftler bereits ab 2030 einen in der Folge stark wachsenden Importbedarf, der durch verschiedene Erzeugungsarten gedeckt werden muss, um die inländische Nachfrage zu decken. Nach Einschätzung des DVGW ist es daher notwendig, Wasserstoff zunächst in all seinen Farben herzustellen sowie die Erzeugung und Verteilung von Biomethan stärker auszubauen. Dies käme insbesondere dem Wärmesektor zugute. Der DVGW ist überzeugt, dass „All electric“ mit der elektrischen Wärmepumpe nicht der Königsweg ist, sondern spricht sich stattdessen für eine technologieoffene, praktikable, rechtssichere und auf Klimaneutralität ausgerichtete Gebäude-Energiewende aus.

Schutz der Kritischen Infrastruktur: Sicherheit vor Transparenz für jedermann. Gesetze müssen praxistauglich sein.

Ein Mitarbeiter einer Verdichterstation in Oberbayern beim täglichen Kontrollgang mit Sicherheitsprüfung.
Täglicher Kontrollgang mit Sicherheitsprüfung auf einer Verdichterstation in Oberbayern. © DVGW

Auch wenn Konsens darüber bestehen dürfte, dass ein hundertprozentiger Schutz der Kritischen Infrastruktur gegen Sabotagen, die geplant und mit hoher krimineller Energie verübt werden, nicht möglich ist, muss es eine Neubewertung der Transparenzpflicht geben. Der Verlauf von Leitungen der Kritischen Infrastruktur sollte zu den sensiblen Daten gehören, die nur einem eingeschränkten Kreis von Fachleuten und Behörden bekannt sind. Stattdessen sollte die Arbeit der Geheimdienste optimiert werden mit dem Ziel, realistische und konkrete Gefahren effektiv abzuwehren, Anschläge wie jüngst in Berlin zu verhindern und Straftäter bereits im Vorfeld zu identifizieren. Viel stärker als bisher durchsetzen muss sich das allgemeine Bewusstsein für die Verletzlichkeit der Kritischen Infrastruktur – auch und gerade bei Gaspipelines und Wasserleitungen sowie Kraftwerken und bei Trinkwasserversorgern.

Auch mit Blick auf die Wasserversorgung sieht der DVGW umfassenden politischen Handlungsbedarf. In Deutschland zählt die Versorgung mit Trinkwasser zu der leistungsfähigsten weltweit. Damit das so bleibt, braucht sie stabile politische Rahmenbedingungen – insbesondere angesichts wachsender Anforderungen durch Klimawandel, neue Nutzungskonkurrenzen und veränderte sicherheitspolitische Bedrohungslagen.

Die Bedrohung durch physische und digitale Angriffe auf Kritische Infrastrukturen nimmt zu. Sabotage, Cyberattacken und hybride Gefahrenlagen legen offen, dass Versorgungssysteme verwundbar sind. Deshalb begrüßt der DVGW, dass mit der NIS-2-Richtlinie und dem KRITIS-Dachgesetz zentrale Sicherheitsregelwerke auf dem Weg sind. 

Allerdings bestehen auch Bedenken: Unklare Formulierungen, mangelnde Konsequenz bei der Unterstützung und Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Branchenstandards, unrealistische Fristen sowie wirtschaftlich schwer tragbare Anforderungen schaffen Unsicherheiten für die Betreiber. Rückbauverpflichtungen oder verpflichtende Zertifizierungen könnten massive Zusatzkosten verursachen und die Versorgungssicherheit gefährden. Der DVGW fordert daher eine Balance zwischen Sicherheit, Praktikabilität und wirtschaftlicher Umsetzbarkeit. Die Technische Selbstverwaltung muss dabei eine zentrale Rolle spielen – sie ist der Garant für praxisnahe und wirtschaftliche Lösungen.

Klimawandel: Wasser wird zum Standortfaktor

Ein Kohlfeld im Vordergrund wird bewässert, im Hintergrund Sträucher und blauer Sommerhimmel
Feldbewässerung © Adobestock.com/Deyan Georgiev

2025 war laut EU-Klimadienst Copernicus erneut eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen – Teil einer seit elf Jahren anhaltenden Serie von Rekordtemperaturen. Für die Wasserversorgung bedeutet das: zunehmende Hitze und Trockenperioden, steigende Spitzenbedarfe trotz geringer Niederschläge und ein wachsender Bedarf an urbaner Kühlung zur Sicherung der Lebensqualität. 

Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Wasser als Wirtschafts- und Standortfaktor. Industriebranchen wie Chemie, IT und Automobilproduktion benötigen große Mengen – ebenso wie die Landwirtschaft, die verstärkt auf Bewässerung setzt. Regionale Nutzungskonflikte werden zunehmen. Eine vom DVGW 2025 vorgelegte Studie zeigt zudem: Neben den regulären Investitionen in Infrastruktur kommen auf die Versorger 3,2 bis 13,5 Milliarden Euro an klimawandelbedingten Zusatzkosten zu. Diese Summen kann die Branche nicht allein schultern. Der Staat muss Förderprogramme konsequent anpassen und Investitionen in klimaresiliente Wasserinfrastrukturen gezielt unterstützen. Gleichzeitig müssen Genehmigungsverfahren vereinfacht sowie überregionale Planungen gestärkt werden, damit die Versorgungssicherheit auch langfristig gewährleistet bleibt.

Düngegesetz: Nitratbelastung endlich wirksam reduzieren

Nur eine gewässerschonende Landwirtschaft wirkt der Nitratbelastung entgegen
Nur eine gewässerschonende Landwirtschaft wirkt der Nitratbelastung entgegen © iStock.com/valio84sl

Der Referentenentwurf für ein neues Düngegesetz ist ein Schritt in die richtige Richtung – denn eine wirksame Regelung ist überfällig. Entscheidend ist jedoch, dass das Gesetz die vielerorts weiterhin zu hohen Nitrateinträge wirklich reduziert und dafür eine einfache, robuste und kontrollierbare Bilanzierung der eingesetzten Düngemengen sicherstellt. Ein belastbares Wirkungsmonitoring wird nur dann funktionieren, wenn parzellen- und betriebsbezogene Daten zur Verfügung stehen, die die reale Düngepraxis und das Nährstoffmanagement der landwirtschaftlichen Betriebe vollständig abbilden. Die kommende Verordnung zum Monitoring der Wirksamkeit der Düngeregeln wird dabei eine zentrale Rolle spielen. Sie muss gewährleisten, dass Nährstoffüberschüsse im Boden konsequent erfasst und reduziert werden. Denn nur so lassen sich die Grundwasserressourcen dauerhaft schützen. DVGW-Vorstandsmitglied Dr. Wolf Merkel betont: „Wichtig ist, dass das neue Gesetz die Nitratüberschüsse wirklich reduziert. Die Landwirtschaft hat hier eine Schlüsselrolle. Nur wenn wir die Nährstoffeinträge wirksam senken, schützen wir unser Grundwasser.“

PFAS: Einträge stoppen und Hersteller in die Verantwortung nehmen

Antihaftbeschichtungen von Pfannen bestehen oft aus Chemikalien der Gruppe PFAS, die zunehmend kritisch betrachtet werden. © AdobeStock/Liza5450

Seit dem 12. Januar 2026 greift der erstmals in der Trinkwasserverordnung festgesetzte Grenzwert für PFAS. PFAS sind in Luft, Wasser, Böden und in der Nahrungskette nachweisbar. Der Eintrag dieser problematischen Substanzen in die Umwelt bedeutet für die Wasserversorgung eine enorme Herausforderung. Sie kann nur bewältigt werden, wenn gezielte Maßnahmen zu ihrer Eindämmung getroffen werden. „Toxikologisch relevante PFAS müssen verboten werden. Einsatzfelder sind kritisch zu hinterfragen, die zu einem vermehrten Eintrag von PFAS in die Umwelt führen. Ein schrittweiser, technologiebasierter Ausstieg mit Übergangfristen verhindert zukünftige Schadeinträge“, erklärt Merkel. Wichtig sei zudem, das Verursacherprinzip zu stärken – damit nicht Verbraucher, sondern Hersteller für die Kosten der hochkomplexen, ressourcenintensiven Entfernung aus den Rohwasserressourcen aufkommen müssen.

Hintergrundinformationen zu den Themen des Pressejahresgesprächs

Der DVGW setzt sich als anerkannter Regelsetzer, technisch-wissenschaftlicher Know-how-Träger und Förderer technischer Innovationen für eine sichere und resiliente Versorgung mit Gas und Trinkwasser ein.

Wasserstoff ist in allen Sektoren einsetzbar und übernimmt eine Schlüsselfunktion in der Energiewende. Er ermöglicht effektiven Klimaschutz und bietet die notwendige Versorgungssicherheit.

Fluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind derzeit die wichtigste und relevanteste Gruppe von Schadstoffen aus Sicht der öffentlichen Wasserversorgung, da sie sich überall in der Umwelt und teilweise in den Trinkwasserressourcen bzw. im Trinkwasser finden lassen.

Die europäische NIS-2-Richtlinie definiert Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der Europäischen Union.

Ihre Ansprechpersonen
für Fragen zur Presseinformation
Leiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit / Pressesprecher
Lars Wagner
Hauptgeschäftsstelle, Standort Berlin / Ordnungspolitik, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon+49 30 79 47 36-64
Pressesprecherin
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Hauptgeschäftsstelle / Ordnungspolitik, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon+49 228 91 88-609