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Begehung einer Talsperre

Risikomanagement im Normalbetrieb (ehem. W 1001)

Dem Water Safety Plan Konzept der WHO entspricht in Deutschland das "Risikomanagement im Normalbetrieb" der Wasserversorgung

Talsperre; © DVGW. Fotograf: Roland Horn
Bitte beachten: W 1001 wurde durch DIN-Norm ersetzt!

Der DVGW Hinweis W 1001 wurde im Februar 2017 zurückgezogen und durch die DIN-EN 15975-2 „Sicherheit der Trinkwasserversorgung  - Leitlinien für das Risiko- und Krisenmanagement – Teil 2: Risikomanagement“ ersetzt. Die Beiblätter W 1001-B1 und W 1001-B2 behalten ihre Gültigkeit.

Hintergrund DIN-EN 15975-2

In der DIN-EN 15975-2 „Sicherheit in der Trinkwasserversorgung - Leitlinien für das Risiko- und Krisenmanagement - Teil 2: Risikomanagement" werden die Grundsätze für ein risikobasiertes und prozessorientiertes Management zur fortlaufenden, innerbetrieblichen Überprüfung und Optimierung der Versorgungssicherheit im Normalbetrieb dargestellt.

Dabei werden unter „Normalbetrieb" alle Betriebszustände und Prozesse inklusive Störungen in der Wasserversorgung verstanden, die durch die vom Versorger gewählten betriebsgewöhnlichen Mitteln und/oder Organisationsstrukturen beherrschbar sind.

Die Versorgungssicherheit im Sinne der DIN-EN 15975-2 umfasst sowohl die Prozess- oder Verfahrenssicherheit (Betriebssicherheit) - im englischen Sprachraum bezeichnet als „safety“ - als auch die Sicherheit vor externen An- oder Eingriffen (Angriffssicherheit) - im englischen Sprachraum bezeichnet als „security“. Daneben wird der Begriff „safety“ vielfach zur Beschreibung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit des Trinkwassers im Sinne von „das Wasser ist sicher („safe“) zu trinken“ verwendet.

Mit der Methode können die Risiken im Betrieb der Trinkwasserversorgung systematisch ermittelt, bewertet und beherrscht werden.

Die im DIN EN  beschriebene Vorgehensweise und Ausführung von technischen Verfahren, Abläufen und Prozessen im betrieblichen Alltag werden in diesem Risikomanagementansatz als prinzipiell geprüft (basisvalidiert) angesehen. Das heißt sofern der Wasserversorger Maßnahmen zur Risikobeherrschung ergreifen muss, kann er bei fachgerechter Umsetzung der Technischen Regeln davon ausgehen, dass diese auch geeignet sind.

Aus Sicht des DVGW unterstützt die Methode eines risikobasierten und prozessorientierten Managements die Ziele, die Betriebssicherheit und die Wirtschaftlichkeit eines Versorgungssystems langfristig zu sichern. Spezifische Vorteile aus ihrer Anwendung umfassen neben anderen: 

  • Sorgfältige Wahrnehmung der betrieblichen Aufgaben (Überwindung der „Betriebsblindheit“)
  • Förderung der Anwendung der Technischen Regeln
  • Erkennen und Beseitigen von Schwachstellen im Versorgungssystem
  • Unterstützung bei der betriebswirtschaftlichen Planung durch eine fortlaufende und systematische Beurteilung des Versorgungssystems
  • Förderung des innerbetrieblichen Erfahrungsaustausches und Sicherung des praktischen Betriebswissens
  • Stärkung der Organisationssicherheit
  • Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und der Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden und weiteren Akteuren sowie der Kommunikation mit der Öffentlichkeit
10 Jahre Water Safety Plan-Konzept der WHO: Erfahrungen und Nutzen
Dem Water Safety Plan-Konzept wird seit dem Erscheinen der WHO-Leitlinien im Jahr 2004 breiter Raum gewidmet. In Deutschland wurde das Konzept unter dem Begriff „Risikomanagement im Normalbetrieb“ thematisiert. Mit ihm konnte die Wahrnehmung für ein modernes, risikobasiertes und prozessorientiertes Management geschaffen werden.
FAQ: Antworten auf häufig gestellte Fragen
Wird ein risikobasiertes und prozessorientiertes Management in der deutschen Wasserversorgung gesetzlich vorgeschrieben? Und wenn ja, wann?

Die Europäische Kommission diskutiert das Water-Safety-Plan-Konzept der WHO im Zusammenhang mit der Evaluierung der EG-Trinkwasserrichtlinie. Es kann derzeit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass das WSP-Konzept als wichtiges Instrument für eine sichere Wasserversorgung aufgenommen werden wird.

Ungeachtet dessen hält der DVGW ein risikobasiertes und prozessorientiertes Management in Verbindung mit dem Technischen Sicherheitsmanagement (TSM) für wichtig, um eine Wasserversorgung mit hoher Versorgungssicherheit nachhaltig und langfristig wirtschaftlich zu gewährleisten. Der DVGW, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und das Umweltbundesamt (UBA) arbeiten eng miteinander zusammen, um auf europäischer Ebene die Interessen Deutschlands bei der beabsichtigten Integration des WSP-Konzeptes in die Richtlinie zu vertreten.

Wie hängen Risikomanagement und TSM zusammen? Gibt es Doppelungen und/oder Überschneidungen?

Bei der Erstellung des Technischen Hinweises W 1001 (jetzt: DIN-EN 15975-2) wurde das Water-Safety-Plan-Konzept, bezogen auf das bestehende DVGW-Regelwerk, kritisch analysiert. Unter Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse und Grundsätze in der Trinkwasserversorgung wurden entsprechende Anpassungen in das Regelwerkssystem integriert. Inhaltlich ergänzt die systematische Vorgehensweise zur Identifikation von Gefährdungen und Beherrschung von betrieblichen Risiken die grundlegenden Anforderungen an Organisationssicherheit und Qualifikation des Personals im W 1000. Die Zugehörigkeit zu den Organisationsgrundsätzen, wie sie im W 1000 (A) und im TSM formuliert werden, wird schon in der Nummerierung ausgedrückt.
Alle Maßnahmen zur betrieblichen Organisation, Prozessstrukturierung, Dokumentation etc. im TSM finden sich im Risikomanagement-Ansatz wieder und werden darin um eine detaillierte technische Betrachtung bzw. die operative Umsetzungsebene vertieft. Insofern sind gerade TSM-überprüfte Wasserversorger häufig gut auf die Entwicklung eines betrieblichen Risikomanagements vorbereitet.

Kann ein Versorger ein Risikomanagement selbstständig einführen? Oder ist externe Unterstützung notwendig?

Grundsätzlich ist ein hohes Maß an Eigeninitiative von Seiten des Wasserversorgers wichtig und notwendig, denn das Risikomanagement muss nach seiner Einführung umgesetzt und im Unternehmen „gelebt“ werden. Die vorhandenen Fallbeispiele und Erfahrungsberichte bieten eine gute Grundlage für jedes Unternehmen, ein betriebliches Risikomanagement selbst aufzubauen und zu etablieren. Auch die DVGW-Schulungen zum Risikomanagement dienen dazu, das notwendige Methodenwissen zu vermitteln.
Es mag jedoch auch gute Gründe dafür geben, gezielt externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Die Unterstützung kann helfen, Unsicherheiten in der Methodik zu klären, vorhandene Gefährdungskataloge und Erfahrungen zu nutzen, typische Umsetzungsfehler (zum Beispiel ein zu detaillierter Anspruch) zu vermeiden, die Umsetzungsphase zu straffen.
Ein wichtiges Argument für eine fachkundige externe Begleitung ist auch die Überwindung der „Betriebsblindheit“ für die eigenen Schwachpunkte. In diesem Sinne muss externe Unterstützung nicht notwendigerweise den Einkauf von Beratungsleistungen bedeuten. Auch der gezielte Fachaustausch mit benachbarten Wasserversorgern kann als externe Beratung verstanden werden.

Mit welchem Aufwand muss ein Versorger bei der Ersteinführung rechnen?

Da das risikobasierte und prozessorientierte Management individuell bei jedem Wasserversorger eingeführt und angepasst werden muss, sind generelle Angaben hierzu sehr schwierig. Gerade bei der erstmaligen Einführung hängt der Aufwand stark vom vorhandenen Stand der betrieblichen Dokumentation und dem Wissen der Mitarbeiter um die Schwachstellen und die Leistungsfähigkeit des Versorgungssystems ab.
Erfahrungen aus Praxisprojekten ohne methodischen Entwicklungscharakter zeigen, dass für ein Wasserwerk mit zugehörigem Einzugsgebiet und einem Verteilungssystem ein Projektzeitraum von 6-8 Monaten realistisch ist. Komplexere Versorgungsverhältnisse wie Verbundsysteme mit mehreren Wasserwerken oder zahlreichen Schnittstellen zu benachbarten Systemen erhöhen den Aufwand. In jedem Falle verringert sich der Aufwand bei der zyklischen Wiederholung deutlich.

In welchem Zusammenhang stehen DIN-EN 15975-1 und = DIN-EN 15975-2?

Der Ansatz eines risikobasierten und prozessorientierten Managements der DIN-EN 15975-2 zielt darauf ab, das Sicherheitsniveau der Trinkwasserversorgung zu erhöhen, sowohl hinsichtlich der Betriebs- als auch der Angriffssicherheit.
Mittels der im DIN-EN 15975-2 beschriebenen Bausteine
•    Beschreibung des Versorgungssystems,
•    Bewertung des Versorgungssystems,
•    Risikobeherrschung,
•    Nachweis der Versorgungssicherheit (Verifizierung)
und deren Dokumentation sowie wiederholte periodische Anwendung wird das Niveau der vom Versorger mit betriebsgewöhnlichen Mitteln und/oder Organisationsstrukturen beherrschbaren Betriebszustände und Prozesse inklusive Störungen kontinuierlich erhöht.
Auch bei einem noch so ausgefeilten Risikomanagement-System verbleibt immer ein gewisses Maß an Restrisiken, da
•    bestimmte Risiken nicht erkannt werden bzw. erkannt werden können,
•    keine oder vom Kosten/Nutzen-Verhältnis nur ungenügende Maßnahmen zur Risikobeherrschung durchgeführt werden können oder
•    das Risiko als vermeintlich tragbar angesehen wird.
Für diese selten eintretenden, schwerlich vorhersehbaren und daher auch nicht planbaren Situationen, die vom Versorger nicht alleine mit seinen betriebsgewöhnlichen Mitteln oder Organisationsstrukturen beherrscht werden können und oftmals die Mitwirkung der zuständigen Behörden erforderlich machen, beschreibt die DIN-EN 15975-1 „Sicherheit der Trinkwasserversorgung – Leitlinien für das Risiko- und Krisenmanagement – Teil 1: Krisenmanagement" auf der Basis der bewährten Organisationsstrukturen der für den Katastrophenschutz zuständigen Behörden die Grundlagen für ein betriebliches Krisenmanagement mit entsprechenden Empfehlungen für den Wasserversorger.

DVGW-Merkblatt W 1050 zum Objektschutz

Das Merkblatt befasst sich mit der Reduzierung und Beherrschung von Risiken in der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Mit ihm können Maßnahmen zum Objektschutz einzelner Wasserversorgungsanlagen ermittelt werden. Dies geschieht im Rahmen des Risikomanagements gemäß DVGW W 1001 (H) bzw. jetzt der DIN EN 15975-2. Das Merkblatt W 1050 wurde im April 2012 veröffentlicht.

Darüber hinaus hat der DVGW im Januar 2014 die DVGW Wasser-Information Nr. 80 veröffentlicht. In dieser werden die im W 1050 (M) formulierten Grundsätze um einen Leitfaden zur Umsetzung eines Objektschutzkonzeptes ergänzt.

Dieses zeigt praktische Lösungsmöglichkeiten auf, wie ein ausgewogener Handlungsbedarf durch Abgleich von Sicherheitsanforderungen mit den vorhandenen Sicherheitsausstattungen ermittelt werden kann. Ziel ist es, eine priorisierte Maßnahmenliste zum Schutz der Wasserversorgungsanlagen zu erarbeiten.

Ansprechpartnerin
für fachliche Fragen zum Risikomanagement in der Wasserversorgung wenden Sie sich bitte an Dr. Claudia Castell-Exner
Dr. Claudia Castell-Exner
Hauptgeschäftsstelle / Wasserversorgung

Telefon+49 228 91 88-650
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