Der Klimaresilienz-Index Wasser misst die Resilienz der deutschen Wasserversorgungsunternehmen (WVU) gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels. Der Index dient als strategisches Monitoring-Instrument, mit dem sich die Klimaresilienz der deutschen Wasserversorgung bewerten lässt. Er schafft eine fundierte Datengrundlage für politische und wirtschaftliche Entscheidungen und die Entwicklung der entsprechenden Infrastrukturen.
Die Basis des Zahlengerüsts bildet eine Online-Befragung von Führungskräften deutscher Wasserversorgungsunternehmen zu fünf Themenfeldern, die jeweils einen zentralen Aspekt der Klimaresilienz abbilden: Robustheit, Anpassungsgrad, Handlungsfähigkeit, rechtlicher Rahmen, Zukunftsperspektive.
Der Index ist als Wiederholungsmessung angelegte, um Veränderungen im Zeitverlauf sichtbar zu machen. Nach der Erstbefragung im Jahr 2025 wurde er 2026 erstmals als Folgebefragung durchgeführt.
Klimaresilienz bleibt insgesamt stabil
Mit 48 Punkten (von 100) bewerten die deutschen Wasserversorger ihre Klimaresilienz eher mittelmäßig, allerdings einen Punkt unter der Bewertung des Vorjahres. Grund hierfür ist die kritischere Bewertung bei Robustheit und Anpassungsgrad an den Klimawandel. Auch die Sicht auf die künftigen Entwicklungen der regulatorischen Anforderungen, die Einflüsse des Klimawandels und den individuellen Handlungsdruck drückt die Bewertung der Klimaresilienz aus Sicht der Wasserversorger.
Der Druck auf die Systeme nimmt zu
Wie klimaresilient sich die Unternehmen einschätzen, hängt im Wesentlichen davon ab, wie stark Spitzenlasten und Investitionsbedarfe ihre Versorgungssysteme unter Druck setzen. Die Ergebnisse weisen dabei auf zunehmende Herausforderungen bei der Bewältigung von Verbrauchsspitzen und den verfügbaren Kapazitäten hin – und unterstreichen den Bedarf, die Versorgungsinfrastruktur vorausschauend an veränderte Anforderungen anzupassen.
Der Blick in die Zukunft wird kritischer
Die Unternehmen erwarten künftig einen zunehmenden Anpassungsdruck. Während sie aktuell ihre grundsätzliche Handlungsfähigkeit weiterhin als sichergestellt einschätzen, rechnen sie zukünftig mit weiter steigenden Anforderungen an Infrastruktur, Ressourcen und regulatorische Rahmenbedingungen.
Große Wasserversorger sehen höheren Anpassungsbedarf
Größere WVU bewerten ihre Resilienz insgesamt kritischer. Robustheit und Anpassungsgrad schätzen sie im Vergleich zum Vorjahr negativer ein und bestätigen ihren hohen Anpassungsdruck. Allerdings überwiegt das Zutrauen in die eigene Handlungsfähigkeit, wobei der Rechtsrahmen als wenig förderlich eingeschätzt wird.
Regionale Unterschiede werden sichtbar
Unternehmen aus Bayern und Baden-Württemberg bewerten ihre Klimaresilienz insgesamt positiver als die anderen Bundesländer. Bei den Befragten aus Baden-Württemberg liegen alle Teilindizes über den Ergebnissen des Vorjahres. Trotz positivem Trend beim rechtlichen Rahmen wird weiterhin deutlicher Verbesserungsbedarf gesehen – ähnliche Einschätzung auch aus Bayern.
Rechtliche Rahmenbedingungen bleiben eine zentrale Herausforderung
Wie bereits im Vorjahr werden die Genehmigungsprozesse als größtes Hemmnis gesehen. Ein Lichtblick gibt es bei Kooperationen, Koordination und Versorgungskonzepten; Aspekte, die positiver beurteilt wurden als noch 2025
Gesamtfazit
Die öffentliche Wasserversorgung in Deutschland bleibt auch im Klimawandel stabil. Die Wasserversorgungsunternehmen bewältigen aktuelle Belastungen des Klimawandels weiterhin zuverlässig, sehen sich aber fortgesetzt hohem Anpassungsdruck ausgesetzt. Lokale, zeitlich befristet aufgetretene Engpässe deuten an, dass sich die Klimaresilienz zu einem zentralen Zukunftsthema für die Trinkwasserversorgung entwickelt.
Behörden, Gesetzgeber und nicht zuletzt die Fachleute bei den Versorgungsunternehmen sind gefordert, die Resilienz der öffentlichen Wasserversorgung gegenüber der Folgen des Klimawandels auszubauen.

Der Teilindex wird durch Fragen zur aktuellen Ausprägung negativer Folgen des Klimawandels erhoben. Die Folgen beziehen sich auf die zur Verfügung stehenden Wassermengen, die Wasserqualität und die Infrastruktur. Je weniger sich WVU von den Folgen betroffen sehen, desto höher wird ihre Versorgungssicherheit und infolgedessen auch ihre gegenwärtige Resilienz eingeordnet.
In diesem Teilindex schätzen die Befragten die zukünftig zu erwartenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Wassermenge und die Wasserqualität sowie die Entwicklungen in den zuvor genannten vier Bereichen ein. Je positiver die zukünftige Entwicklung gesehen wird, desto resilienter fühlen sich die Unternehmen.
Entsprechend der fünf Themenfelder setzt sich der Klimaresilienz-Index Wasser aus fünf Teilindizes zusammen. Die Werte werden im Wesentlichen über Fragen zu wahrgenommenen Defiziten erhoben. Je höher sie ausfallen, desto geringer sind die Defizite und desto resilienter bewerten sich die Unternehmen im betreffenden Bereich.
Die Handlungsfähigkeit der WVU wird über Fragen zur Fähigkeit der Unternehmen, auf negative Folgen des Klimawandels in Bezug auf Wassermengen, die Wasserqualität und die Infrastruktur reagieren zu können, erhoben. Je höher die Handlungsfähigkeit der WVU, desto höher wird auch ihre Resilienz eingeordnet.

Die inhaltliche Konzeption basiert auf fachlich-politischen Publikationen wie dem Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft, den Wasserpolitischen Forderungen des DVGW, dem DVGW-Merkblatt W 1003 sowie Ergebnissen aus bisherigen Resilienz-Umfragen des DVGW aus den Jahren 2018, 2020 und 2022.
Die Befragung wurde in Zusammenarbeit von DVGW, IWW Zentrum Wasser und prolytics market research entwickelt und umgesetzt. Die Folgebefragung 2026 erfolgt unter Einbindung der Fichtner Management Consulting AG.
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