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19. Oktober 2018

EurEau fordert: Vorsorge statt teurer Nachsorge bei Trinkwasser

Der Entwurf der neuen EU-Trinkwasserrichtlinie bewirkt indirekte Kostenerhöhungen statt Schutz der Gewässer und Verbraucher
© istock.com/Sasiistock
Meldung vom 19.10.2018

Am 23. Oktober wird das Plenum des Europäischen Parlamentes in Straßburg über den Entwurf der Kommission für eine neue EU-Trinkwasserrichtlinie abstimmen. Die derzeitige Richtlinie stammt noch aus dem Jahr 1998 – ein Grund dafür, sie auf Aktualität zu prüfen.

Im Fokus der Revision stehen insbesondere die mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparameter. Ein Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde um die Auflistung von Parametern gebeten, die beim Verzehr von Trinkwasser zum Schutz der menschlichen Gesundheit geregelt werden sollten. Leider folgt die Kommission in ihrem Vorschlag der Expertise der WHO nicht konsequent. Sie geht mit dem Argument, noch mehr für den Verbraucherschutz tun zu wollen, bei einigen Parametern weit über die Empfehlungen der WHO hinaus.

Die neue Regelung hätte zur Folge, dass die strengen und über das Maß der für den Schutz der menschlichen Gesundheit erforderlichen Grenzwerte zu einem erheblichen Aufwand in der Wasseraufbereitung führen würden. Dies ist z.B. bei der Substanzgruppe der sogenannten poly- und perfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) der Fall. Wir kennen diese Stoffe aus dem Alltag – sie werden aufgrund ihrer wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften gern z.B. für Coffee to go-Becher, Outdoorkleidung und ähnliches verwendet. Als Kühl- und Kältemittel werden diese Substanzen auch in den Klimaanlagen von PKWs eingesetzt. Jüngste Untersuchungen zeigen aber, dass sie u.a. über diesen Weg auch in die Atmosphäre und somit in den Regen gelangen. Der Regen wiederum speist die Oberflächengewässer und das Grundwasser, also die Ressourcen, aus denen wir das Trinkwasser gewinnen.

Folgen das Europäische Parlament und der Europäische Rat diesem Vorschlag der Kommission, so bedeutet dies im Fall von PFAS den Einsatz der Umkehrosmose in der Wasseraufbereitung. Eine Erhöhung der Wasserpreise um ca. 1 € pro Kubikmeter (1 000 Liter) Trinkwasser wäre unvermeidlich. Dies bedeutet für einen durchschnittlichen Haushalt zusätzliche Kosten von rund 100 € im Jahr.

Dr. Claudia Castell-Exner, Vizepräsidentin der EurEau, fordert daher, dass primär das Vorsorgeprinzip eingehalten, d.h. verhindert werden muss, dass Chemikalien wie PFAS überhaupt in den Wasserkreislauf gelangen. Belastete Produktionsabwässer müssen vor der Einleitung in die Gewässer vorbehandelt und auch die Direkteinleitergenehmigungen von den Wasserbehörden angepasst werden. Ferner ist die Zulassung von PFAS mit Blick auf das Verhalten der Substanzen in der Umwelt zu überprüfen und auch darüber nachzudenken, wie die Hersteller Verantwortung für ihre PFAS-haltigen Produkte übernehmen können.

Ansprechpartner
Bei Fragen zur Trinkwasserrichtlinie wenden Sie sich bitte an
Dr. Claudia Castell-Exner
Hauptgeschäftsstelle / Wasserversorgung

Telefon+49 228 91 88-650